Spiel, Spaß und Siegertypen

Vor vielen Jahren durfte ich meinen Sohn bei einem Ausflug der Lebenshilfe Ludwigsburg zu einem Fußballturnier begleiten. Alle fieberten diesem sportlichen Highlight wohl schon wochen­lang entgegen, entsprechend nervös waren die Fußballer bei der Abfahrt, wild mitei­nan­der gestikulierend, aber genauso wild ent­schlossen, den Sieger-Pokal nach Hause zu ho­len. Der eigens gecharterte Reisebus hatte kaum die Autobahn Ludwigsburg-Süd erreicht, da ging es im Bus schon richtig hoch her. Ber­lin, Berlin, wir fahren nach Berlin, obwohl es bloß nach Nagold ging. Stimmgewaltig gab es nun während der kompletten Fahrt die ganze Band­breite internationaler Schlachtgesänge. Der Bus­fahrer muss sich vorgekommen sein, als chauf­fierte er gerade den frisch gebackenen Deutschen Meister. Nach Nagold kamen 16 teil­nehmende Mannschaften, sie alle waren der­maßen elektrisiert, voller Vorfreude und posi­tiver Anspannung, dass es eine wahre Freude war, zuzuschauen. Der ganze Sportplatz war ein buntes Treiben aus­ge­las­sener Fröhligkeit, wie ich es selten erlebt habe.
Und dann ging es los. 3:16, 0:8, 2:7 und ein 4:2 gegen die eigene zweite Mannschaft. Sportlich gesehen also eher durchwachsen, um es mal positiv auszudrücken. Klar, es gab danach auch Tränen, eine Trinkflasche wurde wütend weggekickt und wie immer war der Schiedsrichter schuld. Aber jetzt kommt für mich das eigentlich Einmalige. Nach fünf Minuten war das Thema durch und es wurde in der Mannschaft nur darüber diskutiert, ob man jetzt lieber eine Rote mit Senf isst oder Pommes mit Ketchup.
Nach der Medaillenübergabe (auch der Letztplatzierte bekam eine) ging es mit dem Bus gen Heimat, wieder lautstark mit „We are the Champions". Und ich dachte mir, egal ob Sieg oder Niederlage, einfach miteinander Spaß haben, ja, so sehen wahre Sieger aus.

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