Versteck-Spiel mit Cervus Elaphus

Ausflug zum Bärenschlössle im Rotwildpark

Diesmal führt uns der Ausflug des Monats an eines der beliebtesten Ausflugsziele im Stuttgarter Raum: das Bärenschlössle am Bärensee. Einsames Natur-Idyll sieht anders aus, schön ist es da trotzdem. Besonders unter der Woche.

Wir schreiben den Dreikönigstag. Den Weih­nachts­schnee hat der Regen dahingerafft und die kühle Wintersonne scheint auf die letzten vereisten Pfützen am Parkplatz neben der Bus­­haltestelle Forsthaus II. Wir reihen uns ein in den Schwarm der Spaziergänger, die, ausgestattet mit Laufrädern, Joggingschuhen, Kinder­wagen und Rollatoren, das geteerte Bären­sträßle einschlagen. Schnurgerade erstreckt sich der Waldweg etwa drei Kilometer vom Schloss Solitude bis zum Bärenschlössle.
Am Forsthaus biegen wir links ab und steuern erwartungsvoll auf das Rot- und Schwarz­wild­ge­hege zu. Doch weder Reh, noch Hirsch, geschweige denn ein wildes Schwein erwarten uns heute. „Sind wir Menschen zu laut?“, fragen die Kinder. „Die Parfüms zu stinkig?“ An einer Bild­tafel lernen wir dafür, wie sich ein Geweih entwickelt, dass ein Hirsch nicht brüllt sondern röhrt, dass das Tier auf lateinisch „Cervus elaphus“ heißt und dass geweihlose Exemplare den Kose­namen Plattkopf tragen.  
Mit diesem Wissen im Sack nehmen wir die kleine Steigung vis-à-vis dem Gehege und binnen weniger Minuten türmt sich der hell-getünchte, zweigeschossige Pavillon vor uns auf: das Bärenschlössle, einstiges Lustschloss Her­zog Karl Eugens von Württemberg.  Hier münden auch die weiteren zahlreichen Spazierwege, die sich um die drei kleinen Seen schlängeln und durch den Wald führen. Innen ist ein Restaurant, außen laden Picknick-Bänke, breite Stufen und, auf dem sich um das hübsche Gebäude rankenden Balkon, kleine Tische zum Verweilen ein. Während im Sommer ein Eis­wagen draußen die Gäste mit Eis versorgt, gibt es heute ein Zelt mit Glüh­wein und Bock­würsten. Hungrige tragen Spätzle-beladene Teller zu großen Holztischen, andere frönen noch dem Anstehen. Für Einkehr-Freu­di­ge lässt es sich hier mitten drin sein im Geschehen.
Auf dem Rückweg streunen die Kinder vom Weg ab. Hier, abseits des geteerten Weges, zeigt sich die Schönheit dieses Ortes. Sie führen uns vorbei an kleinen Lichtungen, finden geschnitzte Holzskulpturen, klettern auf knorrige Bäume und in hohle Baumstämme. Sie sammeln Reisig für einen Besen, versuchen, das Eis in einem kleinen Brunnen zu schmelzen, wippen auf der langen Holzwippe des weitläufigen Waldspielplatzes, bestaunen das große Feuer in der Grillstelle, das mehrere Familien entzündet haben, die mit Picknick-Korb und Thermos­kannen dem Winter trotzen.
An einem Feiertag wie diesem ist der Rot­wild­park mit seinem Bärenschlössle sicher keine einsame Naturerfahrung. Doch es gibt ja noch jene Tage, die keine Feiertage sind. Da zeigt sich dann an diesem stadtnah gelegenen schönen Ausflugsort sicher auch Cervus elaphus wieder und röhrt inbrünstig in den Wald. Platt­kopf hin oder her.

von Olga Burkhardt

> zum Bärenschlössle

Anzeige

Stuttgarter Kinderzeitung

Ausfahrer Luftballon Bannerbox