Der Sommerberg in Bad Wildberg

Standseilbahn und Ameisenhaufen

„Es ist ein Berg, wo’s im Sommer ganz kalt ist und im Winter ganz heiß“, mutmaßen die Kinder. Die Fahrt zum Sommerberg in Bad Wildbad ist unterhaltsam. „Da baden alle wild!“ schallt es von der Rückbank. „Nein: Wild badet da!“ Wir schreiben den Dreikönigstag 2014. Es ist kein Sommer, aber Winter ist es wahrlich auch nicht. Als wir in das hübsche Kur-Städtchen gelangen, läuten die Kirchenglocken. Fünf Königskinder schreiten in wehenden Gewändern, mit Stab und Sammelkässchen vor uns über einen Zebrastreifen. Ansonsten ist es ruhig in diesem Ort, in dem sonst um diese Zeit Rodler, Ski- und Langläufer ihren Weg zur Bergbahn finden.

Wir parken in einer Seitengasse und schlendern über eine kleine Brücke, die uns über die Enz bringt. Steil fallen die malerischen Hauswände ins Wasser. Fast versäumen wir die Talstation der Sommerbergbahn, sie liegt etwas zurückversetzt entlang der Straße und könnte mit ihrem pastell-lila Anstrich auch als Wohnhaus durchgehen. Immer zur halben und zur ganzen Stunde schiebt sich die rote Standseilbahn den Berg hinauf.

Wir lösen eine Familienkarte bei einem urigen Herrn und fragen nach einem geeigneten Wanderweg für Kinder. Er zeigt uns eine Karte mit Rundwegen ab 2,5 Kilometern Länge. Wenn die Kinder stramme Wanderer sind, empfehle er jedoch den Marsch zur Grünhütte, die etwa 4,5 Kilometer von der Bergstation liege. „Mein Freund lebt in Amerika“, erzählt er. „Der sagt, dass er nur auf Besuch kommt, wenn wir in die Grünhütte gehen und Blaubeerpfannkuchen essen.“

Die Kinder finden plötzlich, dass sie äußerst stramme Wanderer sind. Wir stei­gen ein. Mit uns ein Groß-Schwarm Jugend­licher, die auf einer Freizeit zu sein scheinen. Eine Brise Restfahne vom Vor­abend weht mit hinein. Auch Räder, Schlitten und Kinderwagen dürfen in der Bahn transportiert werden. Nach wenigen Minuten sind wir oben auf dem Som­merberg und folgen dem roten Schild gen Grünhütte.

Unter­wegs bewundern wir die Aussicht und Pfeile, die Loipen ausschildern und in den grünen Wald zeigen. Wir passieren eine Abzweigung zur Rodelbahn, eine Down­hill-Bikestrecke und kreuzen Ski­lifte, deren leere Teller über unse­ren Köpfen baumeln. Der Weg ist durch­gängig kinderwagen-tauglich, Stei­gungen gibt es kaum. Die Kinder bewundern Mooslandschaften und Amei­sen­haufen. Wir fragen uns, wo die Tiere im Winter sind und ob es tat­säch­lich nur eine Ameisenkönigin pro Haufen gibt. Gibt es einen König dazu? Und: wo treibt sich eigentlich die Prinzessin rum?

Die Kinder sammeln Stöcke, singen „Oh Tannenbaum“ und finden hier im stillen Fichtenwald, dass es eigentlich „…wie grün sind deine Nadeln“ heißen müsste. Dann verstecken sie ihre Stöcke für den Rückweg – bis zur Grünhütte sind es immer noch 3,5 Kilometer. Doch das nächste Weg-Entertainment kommt ganz von selbst: Die Jugendlichen aus der Bahn holen uns ein und die Kinder staunen über so viel weltgewandte Coolness; ich darüber, dass man in so zarten Schühchen so elegant durch so viel Matsch laufen kann. So erreichen wir unser Ziel. Die Großgruppe Jugendlicher und andere Wanderer stehen bereits vor der rustikalen Hütte an. Als wir die Schlange sehen, beschließen wir, die Pfannkuchen am Abend selber zu backen und nehmen uns vor, einfach wieder zu kommen.
Picknicktische bespicken die Wiese um die Hütte. Wir legen Tupperdosendeckel auf einer feuchten Bank aus, setzen uns darauf und vespern. Der Rückweg geht flott – die Kinder wollen noch bei Tageslicht mit der Bahn zurückfahren. Beladen mit Stöcken gleiten wir ins Tal und bewundern das imposante Zeltdach des berühmten Badepalastes „Palais Thermal“. Wäre es nicht bereits Abend, würde sich ein Ausklang im Thermalwasser anbieten. Auch hier gilt: nächstes Mal.

Als Ersatz für die Blaubeeren kehren wir noch im Café Winkler neben der Talstation ein. Engadiner Nusstorten, Pralinen und glänzender Florentinerbruch schmachten uns aus gewienerten Vitrinen an. „Was möchtet ihr?“ fragen wir die Kinder. „Eis!“ sagen sie wie aus einem Munde. Eis? Also gut, das Winter-Argument zählt heute wohl wahrlich nicht.


Infos: Talstation Sommerbergbahn, Uhlandplatz, Bad Wildbad, www.bad-wildbad.de/sommerbergbahn/. Fahrten halbstündlich von 8:45 – 20:45 Uhr; Do-So bis 22:15. Familienkarte Hin- und Rückfahrt (Eltern + Kinder): 16 Euro. Anfahrt PKW:  A 81 Stuttgart-Singen, Ausfahrt Böblingen-Hulb, über  B 296 nach Bad Wildbad. Parkhäuser vorhanden. Bahn: Pforzheim, weiter mit S 6 bis „Uhlandplatz“.
Thermen in Bad Wildbad: Vital Therme (ab 0 Jahren, Familienkarte 20 Euro) und Palais Thermal (FKK erlaubt. Einlass ab 12 Jahren).
Weitere Infos: www.bad-wildbad.de/thermen-schwarzwald/.

Café Winkler, König-Karl-Str. 11, T. 07081-2582

von Olga Burkhardt

Anzeige