WWOOFen mit Kindern: Familien-Abenteuer auf dem Biohof in Deutschland

20.03.2026

WWOOFen – was ist das eigentlich? WWOOF steht für„World-Wide Opportunities On Organic Farms“ und ist ein weltweites Netzwerk, welches Menschen mit ökologischen Höfen verbindet und den Austausch von Kultur und Wissen fördern soll. Als „WWOOFer“ hat man die Möglichkeit, die nachhaltige Landwirtschaft über eigene Mitarbeit kennenzulernen – Kost und Logis sind dabei umsonst.

Ferien einmal anders

„Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Dieser Gedanke ließ mich nicht mehr los, als ich mich nach langer Pause wieder auf dem WWOOF-Portal anmeldete. Die Idee, mit meinen Kindern gemeinsam auf einem Hof zu arbeiten, entstand durch meine eigenen Erfahrungen als WWOOFerin in Neuseeland. Gerne wollte ich auch meinen Kindern, zu diesem Zeitpunkt 11 und 14 Jahre alt, das Leben und die Arbeit auf einem Bauernhof näher bringen und dieses Erlebnis mit ihnen teilen. Doch dieses Mal in Deutschland und als Familie – würde das funktionieren? Gibt es überhaupt Höfe, die Familien aufnehmen?

Ja, die gibt es! Und man muss nicht gleich mehrere Wochen bleiben – auch kürzere Aufenthalte sind möglich. Beim Durchstöbern des Portals fanden wir gemeinsam einen Hof, der unseren Vorstellungen entsprach – klein, familiär und mit vielen verschiedenen Tieren, die versorgt werden sollten. Im Kontakt mit unseren Gastgebern wurde besprochen, wie unsere Mitarbeit auf dem Hof aussehen könnte und welche Arbeiten zu dieser Jahreszeit anstehen. Ungefähr sechs Stunden täglich sollten wir arbeiten, die restliche Zeit stand zur freien Verfügung. Während mein Mann zu Hause arbeitete, machten wir drei uns in den Osterferien auf den Weg zu unserem Hof in Bayern.

Tiere versorgen und Holz stapeln

Unser Tag startete früh: Bereits um sieben Uhr ging es nach einem kurzen Frühstück rein in die Gummistiefel und ab zu den Tieren. Zuerst mussten die Kleintiere gefüttert und versorgt werden: Hühner, Gänse, Enten und Truthähne erwarteten uns schon mit lautem Geschnatter und Gegacker – an das kichernde Geräusch der Truthähne mussten wir uns erst gewöhnen. Nachdem wir sämtliches Federvieh in das Freigehe gegelassen hatten, ging es ans Eiersuchen. Ein Highlight für meine Kinder – denn die waren manchmal ganz schön gut versteckt.

Auch die Kaninchen bekamen frisches Heu und Äste zum Knabbern von uns. Nach dem alle Kleintiere versorgt waren, halfen wir im Ziegenstall, Stroh zu verteilen und die Futterraufen mit Heu aufzufüllen. Nach der morgendlichen Runde ging es an unser Tageswerk: Wir haben jede Menge gespaltenes Holz gestapelt, Äste zerkleinert und Futtervorräte aufgefüllt. An einem Tag war der große Hühnerstall mit Säubern dran – unglaublich, wie viel Mist 40 Hühner machen können und wie penetrant dieser stinkt.

Ein anderes Mal sollte mit der Schubkarre Heu und Schafmist von der Schafweide zum Misthaufen transportiert werden. Gemeinsam haben wir gezählt und sind auf über 100 voll beladene Schubkarren gekommen, die wir an zwei Tagen geschafft hatten. Was waren wir stolz auf uns – auch wenn wir abends jeden Muskel spürten.

Mehr Selbstvertrauen für Kinder

Langeweile kam in dieser Woche nicht auf. Ausgebüxte Hühner einzufangen, gehörte ebenso dazu wie auf den alten, fast blinden Hofhund aufzupassen. Bei den gemeinsamen Gesprächen am Mittagstisch erfuhren wir viel Spannendes über das Leben und die Tiere auf einem Biohof. Und trotzdem blieb noch genug Zeit für kleine Auszeiten – zum Lesen, Trampolinspringen und für einen Ausflug in den nächsten Ort - und das alles mit erstaunlich wenig digitaler Ablenkung. Ich habe das Gefühl, dass meine Kinder an dieser Erfahrung gewachsen sind. Eigene Aufgaben zu übernehmen, ein neues Umfeld kennenzulernen und nicht nur als Gäste wahrgenommen zu werden, hat ihnen spürbar Selbstvertrauen gegeben. Das Abenteuer WWOOFen hat für uns also gerade erst begonnen.

Tipps

Wenn ihr plant, mit euren Kindern WWOOFen zu gehen, dann achtet darauf, Erwartungen mit den Gastgebern und euren Kindern vorher zu klären. Überlegt euch, wie viel körperliche Arbeit ihr eurem Kind zutraut und wie selbständig kleine Aufgaben wie beispielsweise Tiere füttern, erledigt werden können. Die Mahlzeiten sind oftmals vegetarisch, mit eigenen Produkten vom Hof. Unterkünfte reichen vom gemütlichen kleinen Zimmer bis hin zu Wohnwagen, Zelt oder Jurte.

wwoof.dewwoof.net