© Nina Schubert

Was ist Mütterpflege? Hilfe für Mütter nach der Geburt

21.07.2026

Babys brauchen Liebe und Fürsorge – aber Mütter auch. Das steht sinnbildlich für den Beruf der Mütterpflegerin. Für die sehr herausfordernde Zeit der Schwangerschaft, im Wochenbett sowie danach gibt es diese wertvolle Unterstützung, ganz besonders mit der frischgebackenen Mutter im Fokus.

Wir haben uns mit einer Mütterpflegerin ausgetauscht und dabei das Angebot und die Finanzierung, beleuchtet. Aber auch welche Vor­teile es für Familien bringt und wie sich die Mütter­pflegerin von der (Familien-)Heb­amme unterscheidet haben wir gefragt. Weitere Unter­stützungsangebote rund um die Schwanger­schaft stellen wir ebenfalls vor.

Mütterpflege unterstützt praktisch im Haushalt und vor allem emotional im Wochenbett. „Meine Arbeit beginnt da, wo die der Hebamme aufhört oder wo ihre zeitlichen Kapazitäten an Grenzen stoßen“, berichtet uns Nina Schubert, eine der wenigen Mütterpflegerinnen aus Stuttgart.

Die Familienhebamme ist eine medizinisch‑pflegerische Fachkraft, die zusätzlich psychosozial begleitet und Themen wie Gesundheitsfragen von Mutter und Baby, Entwicklungsbegleitung, Bindungsförderung, Krisenunterstützung sowie Vernetzung mit Hilfsangeboten abdeckt. Beide Angebote ergänzen sich, aber sie haben unterschiedliche Aufgaben, Qualifikationen und Zielgruppen.

Dies kann bei der Mütterpflege emotional wie eine Doula und im Haushalt wie die Haushaltshilfe sein. Der Fokus liegt jedoch eindeutig darin, den Müttern den „Rücken freizuhalten“, ihren Stress zu minimieren, damit sie sich auf das Wesentliche konzentrieren können: Auf das Ankommen in einer neuen Lebensphase, das Kennenlernen ihres Babys und vor allem die Regeneration nach der Geburt.

© Nina Schubert

Aufgaben einer Mütterpflegerin

Das Aufgabenspektrum ist sehr vielseitig und umfasst verschiedene Bereiche: Unterstützung im Haushalt und bei der Geschwisterbetreuung, Kochen, Anleitung beim Stillen und bei der Säuglingspflege. Die Unterstützung wird individuell vor dem Einsatz abgestimmt und zwischen der Mütterpflegerin, der Wöchnerin und auch mit dem Partner oder der Partnerin besprochen.

© Nina Schubert

„Im Einzelnen kann das zum Beispiel eine Massage für die gestresste und überforderte Mutter sein oder das Zeigen von beruhigenden Bauchmassagehandgriffen bei einem nervösen Babybäuchlein. Oft ist es auch einfach das Beaufsichtigen des Säuglings, damit die Mutter nach einer unruhigen Nacht tagsüber etwas Schlaf nachholen oder ausgiebig duschen kann. Außerdem steht die Mütterpflegerin als  einfühlsame Gesprächspartnerin bei Ängsten, Unsicherheiten, aber auch Freuden zur Seite, kann auch einmal für einen Apothekengang oder einen dringlichen Einkauf einspringen. Obwohl die Weiterbildung nicht medizinisch ist, kann man dennoch dabei unterstützen, wenn das Stillen noch Probleme bereitet oder es einen Milchstau gibt“, erklärt die Expertin.

Die Weiterbildung zur Mütterpflegerin ist nicht staatlich geregelt, aber in Deutschland gut etabliert. Sie wird von verschiedenen Instituten angeboten und dauert je nach Anbieter zwischen fünfeinhalb und zwölf Monaten. Im Durchschnitt dauert ein Einsatz in der Mütterpflege meist mehrere Wochen bis mehrere Monate, abhängig von der individuellen Situation der Mutter und der Bewilligung durch die Krankenkasse.

Finanzierung

Es gibt mehrere Wege, wie die Mütterpflege von den Gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden kann. Bei der Gesetzlichen Krankenkasse sollte ein Antrag auf Haushaltshilfe (denn als solche läuft die Mütterpflege bei den Krankenkassen) gestellt werden. Die Kosten können dann unter bestimmten Voraussetzungen zum Teil oder sogar komplett von der Gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden. Bei der Privaten Krankenversicherung ist in der Regel die Kostenübernahme für eine Haushalthilfe/Mütterpflege im Leistungsumfang nicht enthalten. Das kommt auf die Tarife an, die man gewählt hat. Die wenigsten denken bei Abschluss der Versicherung, dass sie vielleicht mal eine Haushaltshilfe benötigen könnten.

Im Detail bedeutet das: Der wichtigste und häufigste Finanzierungs­weg ist über § 24h SGB V – als Haushaltshilfe wegen einer Schwangerschaft/Geburt. Die Kasse übernimmt die Kosten, wenn die Mutter krankheitsbedingt den Haushalt nicht weiterführen und keine andere im Haushalt lebende Person (Vater arbeitet) dies kann. Eine andere Variante stellt der § 38 SGB V – Haushaltshilfe nach Krankenhausaufenthalt dar. Natürlich kann die Mütterpflegerin auch privat als Selbstzahler gebucht werden.

© Nina Schubert

Ein großes Anliegen von Schubert ist es, den Beruf der Mütterpflegerin publik zu machen, zum einen um mehr Frauen zu einer entsprechenden Weiterbildung zu motivieren und um frischgebackenen Müttern diese wertvolle Unterstützung vorzustellen.

Weitere Unterstützungs-Angebote rund um die Schwangerschaft

Doula

Eine Doula ist eine erfahrene, einfühlsame Begleiterin rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Doula kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet wörtlich „Dienerin“ oder „helfende Frau“. Sie bietet keine medizinische Versorgung an – dafür ist die Hebamme zuständig, sondern stärkt die werdende Mutter emotional, mental und praktisch. Eine Doula ist eine geburtserfahrene Frau, die Schwangere und ihre Familien in der Zeit rund um die Geburt unterstützt. Sie schenkt Sicherheit, Ruhe und Orientierung in einer Zeit großer Veränderungen. Durch kontinuierliche Präsenz, achtsames Zuhören und praktische Hilfen wie Atemtechniken und Körperarbeit schafft sie einen geschützten Raum, in dem die Mutter ihre eigenen Bedürfnisse wahrnehmen und selbstbestimmt gebären kann.

© Magnific

Doulas arbeiten wertschätzend, urteilsfrei und stärken die Mutter und den Partner / die Partnerin darin, ihren eigenen Weg zu gehen. Sie begleiten Geburten in Kliniken, Geburtshäusern oder zu Hause und bleiben an der Seite der Familie – von der Schwangerschaft bis zum ersten Kennenlernen des Babys.

Welcome-Angebot

Ein Welcome‑Angebot (oft auch Willkommensbesuch oder Frühe‑Hilfen‑Begrüßungsangebot) ist ein niedrigschwelliges Unterstützungsangebot für frischgebackene Eltern. Es gehört in Deutschland meist zu den Frühen Hilfen und wird von Kommunen, Familienzentren oder Netzwerken organisiert. Ein Welcome‑Angebot ist ein freiwilliger, kostenloser Erstkontakt für Familien nach der Geburt. Ziel ist es, Eltern früh zu stärken, zu informieren und bei Bedarf weiterführende Unterstützung zu vermitteln.

KI generiert

Kerninhalte eines Welcome‑Angebots können Folgende sein: Begrüßungsbesuch durch eine geschulte Fachkraft, Informationen zu regionalen Angeboten, Kursen und Beratungsstellen, Unterstützung bei Fragen rund um das Baby und seine Entwicklung, Vernetzung mit passenden Hilfen bei Bedarf und Entlastung durch Zuhören und Gespräche.

Hebamme versus Familienhebamme

Die Hebamme bringt medizinische Expertise für den Geburtsprozess mit. Sie überwacht Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett fachlich und medizinisch. Sie führt Untersuchungen durch, beurteilt Risiken, leitet Geburten, dokumentiert und trägt Verantwortung für die körperliche Gesundheit von Mutter und Kind. In der Regel ist sie für alle Familien zuständig.

© Magnific

Die Familienhebamme hingegen ist eine weiterqualifizierte Hebamme und unterstützt Familien mit besonderen Belastungen (z.B. psychische Krisen, Armut, Alleinerziehende, sehr junge Eltern, schwierige Lebenslagen). Sie begleitet Familien längerfristig, oft bis zum ersten, manchmal bis hin zum dritten Lebensjahr des Kindes. Die Familienhebamme arbeitet zusätzlich sozialpädagogisch und vernetzt Hilfsangebote für die zu betreuenden Familien.

Familienpflege

Wenn die Eltern oder ein Elternteil aus gesundheitlichen Gründen verhindert sind, muss das System Familie weiter funktionieren und die Kinder müssen betreut sein. Wenn Notsituationen eine Familie „lahmlegen“, ist es gut zu wissen, dass die Haus -und Familienpflege in solchen Fällen ein wichtiger Anker sein kann. Sogenannte „systemerhaltende Einsätze“ können dann von einem Arzt verordnet werden.

KI generiert

Die maximale Einsatzdauer bei schweren Fällen liegt in der Haus- und Familienpflege bei sechs Monaten bei maximal täglich acht Stunden. In der Regel kommen die Fachkräfte nach individuellem Bedarf und je nach Verordnung in die Häuser der Familien. Der durchschnittliche Einsatz liegt jedoch bei einem Monat. Die Verordnung erfolgt meist dann, wenn die Kinder im Haushalt maximal zwölf Jahre (in Ausnahmen 14 Jahre) alt sind. Ein Einsatz im Rahmen der „Frühen Hilfen“ kann über das Jugendamt beantragt werden. In diesem Fall dürfen die Kinder maximal drei Jahre alt sein. Die Familienpflegerinnen erledigen hauswirtschaftliche Tätigkeiten und halten den Familienalltag aufrecht, indem sie die Kinder in den Kindergarten, zur Schule oder zu sonstigen Aktivitäten bringen, begleiten und anderweitig betreuen.

Fazit

Mütterpflege zeigt, wie wertvoll alltagsnahe Unterstützung in einer sensiblen Lebensphase sein kann: Sie schenkt Entlastung, Wärme und das Gefühl, wieder durchatmen zu dürfen. Doch sie ist nur ein Teil eines größeren Netzes: (Familien-)Hebammen, Welcome‑Angebote, Doulas und die Frühen Hilfen/Familienpflege greifen ineinander wie schützende Hände. So entsteht ein unterstützendes Umfeld, in dem Eltern nicht nur versorgt werden, sondern sich wirklich gesehen fühlen – und genau das macht den entscheidenden Unterschied.