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Verbrennungen bei Kindern: Richtig vorbeugen und Erste Hilfe leisten

24.09.2026

Verbrühungen oder Verbrennungen gehören zu den häufigsten Verletzungen im Kindesalter. Allein im Olgahospital, einem der führenden Zentren in Deutschland für die Behandlung schwerbrandverletzter Kinder und Jugendlicher, werden jährlich rund 150 Kinder stationär und weitere 100 ambulant behandelt.

Wie man Heranwachsende schützt und wie man im Ernstfall handeln sollte, erklärt uns Dr. Raphael Staubach, Geschäftsführender Oberarzt der Sektion für schwerbrandverletzte Kinder und der pädiatrisch-rekonstruktiven Chirurgie der Kinderchirurgie des Klinikums Stuttgart.

Herr Staubach, was sind die größten Gefahrensituationen im Haushalt? In welchen Situationen passieren Brandverletzungen besonders häufig?

Das hängt stark vom Alter des Kindes ab. Der typische Patient ist ein Kleinkind zwischen einem und drei Jahren. Etwa zwei Drittel aller Verbrühungs- und Verbrennungsunfälle ereignen sich im häuslichen Umfeld – und häufig reichen wenige Sekunden der Unaufmerksamkeit aus. Besonders häufig passieren die Unfälle in der Küche. Heiße Getränke wie Tee oder Kaffee werden vom Tisch gezogen oder Töpfe mit heißem Inhalt vom Herd heruntergerissen.

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Auch im Badezimmer ist Vorsicht geboten. Vor dem Baden sollte die Wassertemperatur immer überprüft werden und Kinder dürfen niemals unbeaufsichtigt in der Badewanne bleiben. Im Wohnzimmer lauern ebenfalls Gefahren: Kerzen, Feuerzeuge, Bügeleisen oder ungesicherte Kamine können schwere Verletzungen verursachen.

Muss man bei einer Brandverletzung grundsätzlich ins Krankenhaus? Woran erkennt man, wie ernst es ist?

Nicht jede Verletzung muss im Krankenhaus behandelt werden. Entscheidend sind die Größe, die Tiefe und die betroffene Körperregion. Sobald sich Blasen gebildet haben und eine größere Hautfläche betroffen ist, sollte das Kind ärztlich vorgestellt werden. Auch Verbrühungen oder Verbrennungen im Gesicht, an Händen, Füßen, im Genitalbereich oder an den Atemwegen gehören immer in die Hände erfahrener Spezialisten. Das gilt ebenso, wenn Begleitverletzungen vorliegen oder das Kind insgesamt einen beeinträchtigten Allgemeinzustand zeigt.

Was können Eltern unmittelbar nach einem Unfall tun?

Man sollte zunächst Ruhe bewahren und das Kind aus der Gefahrenquelle bringen. Heiße Kleidung sollte vorsichtig entfernt werden, sofern sie nicht mit der Haut verklebt ist. Anschließend kann die betroffene Stelle mit lauwarmem Leitungswasser für maximal zehn Minuten gekühlt werden. Dabei muss insbesondere bei kleinen Kindern darauf geachtet werden, dass sie nicht auskühlen. Anschließend sollte die Wunde möglichst steril oder zumindest sauber abgedeckt werden. Dabei eignet sich zum Beispiel ein sauberes Küchenhandtuch.

Von Hausmitteln wie Zahnpasta, Puder, Butter oder anderen gut gemeinten Küchenexperimenten rate ich ausdrücklich ab. Sie können die Wunde zusätzlich reizen und die weitere Behandlung erschweren. Bei größeren Verletzungen oder starken Schmerzen sollte umgehend der Rettungsdienst unter 112 verständigt werden. Eine gute Schmerztherapie gehört von Anfang an zur Behandlung dazu.

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Wie werden Brandverletzungen in der Klinik behandelt?

Je nach Schweregrad kommen die Kinder entweder über unsere Pädiatrische Interdisziplinäre Notaufnahme (PINA) oder mit dem Rettungsdienst zu uns. Bei größeren Verletzungen bereiten wir das gesamte Behandlungsteam bereits vor der Ankunft des Kindes vor. Dazu gehören Kinderchirurgen mit erfahrenen Oberärzten mit Spezialisierung auf Verbrennungsverletzungen, die Anästhesie, sowie speziell geschulte Pflegekräfte.

Direkt nach dem Unfall lässt sich die tatsächliche Tiefe einer Verbrennung häufig noch nicht sicher beurteilen. Deshalb geben wir zunächst keine vorschnellen Prognosen ab, sondern berücksichtigen neben dem klinischen Befund auch den Unfallhergang und beobachten den weiteren Verlauf sehr genau. Für die Wundbehandlung stehen uns moderne Verbandsmaterialien zur Verfügung. Ebenso wichtig ist mir die psychologische Begleitung der Kinder und ihrer Familien. Unser erfahrenes interdisziplinäres Team ist auf die umfassende Versorgung und Behandlung von Kindern mit schweren Brandverletzungen spezialisiert.

Zur Person

© Klinikum Stuttgart

Dr. Raphael Staubach, Jahrgang 1986, Ge­schäfts­führen­der Ober­arzt der Sek­tion für schwer­brand­verletzte Kinder und pä­dia­trisch-re­kons­truktive Chirurgie der Kinder­chirur­gie des Klinikums Stuttgart.