Wer Lust hat, für einen Moment dem Alltag zu entkommen und sich in eine fantastische Welt hineinziehen zu lassen, sollte versuchen, Karten für die „Unendliche Geschichte“ im Staatstheater zu ergattern. Momentan gibt es nur noch eine Handvoll Karten an Weihnachten. Demnächst werden jedoch noch neue Spieltermine ins Programm aufgenommen.

© Björn Klein
© Björn Klein

Um was geht's:

Anders als in dem Roman von Michael Ende oder in der Verfilmung von 1984 lässt John von Düffel, Autor der Bühnenversion, den Zehnjährigen Bastian Balthasar Bux die „Unendliche Geschichte“ auf einer leeren Theaterbühne aufschlagen.

Dorthin flieht sich der Junge vor seinen Klassenkameraden, die ihn regelmäßig malträtieren. Er ist sofort fasziniert von dem Buch, auf dessen Cover zwei ineinander verschlungene Schlangen abgebildet sind, die für zwei Welten stehen, die ohneeinander nicht existieren können. Immer mehr lässt sich Bastian aus der Wirklichkeit in das Schicksal Phantásiens verwickeln. Dort ist die Kindliche Kaiserin schwer erkrankt und immer größere Teile des Landes werden vom Nichts bedroht, das alles verschlingt. Der junge Atréju und sein Pferd Artax sollen herausfinden, wie sie die Kindliche Kaiserin heilen und Phatásien retten können.

Auf der Reise durch das Land begegnet Atréju allerhand mystischen Gestalten, wie der Uralten Mora, der Riesenspinne Ygramul oder dem Werwolf Gmork. Einen Teil der Reise legt er auf dem Glücksdrachen Fuchur zurück, der ihn ganz besonders unterstützt. Letztlich soll Atréju ein Menschenkind finden, das der Kaiserin einen neuen Namen gibt. Ob Bastian da nicht helfen kann?

Die unendliche Geschichte

Staatstheater Stuttgart, ab 7  Jahre, Oberer Schlossgarten 1, S-Mitte

In unserem Online-Veranstaltungskalender findet ihr alle Veranstaltungen im Staatstheater: Staatstheater Stuttgart

Tickets gibt es hier: www.schauspiel-stuttgart.de

So war's:

Viele Erwachsene kennen die Geschichte aus der eigenen Kindheit oder haben den Film bereits gesehen. Im Theater entfaltet die „Unendliche Geschichte“ aber eine ganz besondere Wirkung, was vor allem an den unglaublich faszinierenden, farbenfrohen Kostümen der Kreaturen Phantásiens liegt. Kostümbildner Sebastian Ellrich gebührt hier ein besonderes Lob, schon alleine der Ästhetik halber lohnt sich der Besuch im Staatstheater, und zwar gilt das für Erwachsene genauso wie für junge Besucher.

Die Rolle des Atréju ist mit Simon Löcker sehr zutreffend besetzt. So glänzt derselbe nicht nur durch sein faszinierendes Kostüm, sondern auch durch schauspielerisches Können. Gleiches gilt unbedingt auch für die Kindliche Kaiserin, gespielt von Josephine Köhler. Marco Massafra kommt vor allem in der Rolle des Fuchur voll zur Geltung, den er sehr passend verkörpert. Die allermeisten Rollen sind mehrfach besetzt. Auch Amelie Sarich von der HMDK Stuttgart (Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst), die besonders ansprechend die Rennschnecke spielt, übernimmt mehrere Parts.

Nora Bussenius, die Regisseurin des Stücks, hat mit der „Unendlichen Geschichte“ ein wahres Gesamtkunstwerk geschaffen, an dem viele andere Künstler mitgewirkt haben. Die Videokünstlerin Katrin Bethge aus Hamburg hat für die Inszenierung Filme mit einem Overheadprojektor und einem Wasserbecken hergestellt, in dem sie mit Farben, Pigmenten, Wasser und Tuschen malen kann. Um das Nichts zu veranschaulichen, hat sie das Wasserbecken schwarz gestrichen und dann die Farbe mit Wasser zum Bröckeln gebracht.

Nicht nur durch die daraus entstandenen Videos wird das Nichts veranschaulicht, sondern auch die Hintergrundmusik, die Günter Lehr komponiert hat, lässt nichts Gutes erahnen. So untermalt er Begegnungen mit dem Glücksdrachen Fuchur mit Marimba-Klängen, während das „Nichts“ durch elektronisches Grollen und Rauschen begleitet wird. Auch exotische Instrumente wie ein gestrichener Wasserkübel (Aquaphon) oder von Hand durch Reiben in Schwingung versetzte große Steine (Klangsteine) kommen zum Einsatz.

Wie bei den vorigen vorweihnachtlichen Familienstücken spielt auch die Bühnentechnik eine besondere Rolle. Durch das gekonnte Zusammenwirken aller Effekte entsteht ein wahrer Theaterzauber, der den Zuschauer selbst zum Phantasiereisenden werden lässt.