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Schulstart ohne Druck: So begleiten Eltern ihre Kinder

24.07.2026

Der Eintritt in die Grundschulzeit ist nicht nur für Kinder, sondern auch für Eltern ein großer Schritt. Worauf kommt es an, dass nicht nur der Start in die Schulzeit gut gelingt, sondern auch der neue Lebensabschnitt gut bewältigt werden kann?

„Ich finde es gar nicht so leicht, Eltern pauschal Tipps zu geben, da jedes Kind und jede Familie anders ist“, äußert Sarah Stuckenbrock, Lehrerin an einer Stuttgarter Grundschule, spontan zum Thema, als ich sie fragte, ob sie mich in einem Artikel unterstützen könnte. Letzten Endes gibt es aber doch ein paar Tipps, die für viele Eltern nützlich sind.

Fit für die Schulzeit

„Es ist nicht nötig, dass Kinder lesen, schreiben oder rechnen können. Denn das lernen sie ja alles bei uns“, so Stuckenbrock. Die Lehrerin, die gerade mit den Anfangsklassen viel Erfahrung hat, denkt aus dem Unterrichtsalltag eher an grundlegende Eigenschaften wie Selbstorganisation oder Geduld, die Kindern in der Schulzeit helfen können. „Von Erstklässlern wird doch so manches abverlangt. Sie müssen sich orientieren, ihren Platz selbst aufräumen, sich im Sport alleine und möglichst zügig umziehen. Es kann bestimmt helfen, wenn Kinder auch zuhause lernen, solche Dinge eigenständig zu tun. Sicherlich ist es auch hilfreich, wenn sich Kinder angewöhnen, erst eine Sache zu Ende zu machen, bevor eine andere begonnen wird, beispielsweise erst ein Spiel aufzuräumen, bevor das andere aus dem Regal gezogen wird“, ergänzt die Lehrerin. Manche Erstklässler wüssten auch gar nicht, wie Brotdose, Trinkflasche oder Schulranzen aufgehen oder verschlossen werden.

Persönliches Wachstum statt Leistung im Fokus

Neben diesen Kompetenzen sind es laut der Pädagogin, Familienbegleiterin und Erfolgsautorin Inke Hummel vor allem die tiefer liegenden Eigenschaften Beziehungsstärke und Bewältigungskraft, die den Nachwuchs durch die Schulzeit und durchs Leben tragen würden.

Bewältigungskraft, also das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, würden die Kinder vor allem durch das Loslassen der Eltern und eine positive Fehlerkultur erlernen. Aufgabe der Eltern sei es, so Hummel, den Kindern Hilfe zur Selbsthilfe zu geben und nicht immer alle Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen. Man solle zulassen, dass die Kinder auch Fehler machen. Eltern würden Kinder vor dem Scheitern bewahren wollen und oftmals überfürsorglich handeln. Dabei müssten gerade Kinder aus Fehlern lernen.

Vergessene Hausaufgaben seien ebenso wenig ein Beinbruch wie ein fehlendes Mäppchen. Dies kann auch Sarah Stuckenbrock aus dem Schulalltag bestätigen: „Kinder finden oft selbst ganz einfache Lösungen, wenn einmal jemand kein Sportzeug dabeihat. Und beim nächsten Mal wird dann wieder eher daran gedacht.“ Würden wir unseren Kindern das Mäppchen immer hinterherfahren, so Inke Hummel, könnte sich dadurch sogar eine Angst entwickeln, dass es gravierende Folgen habe, etwas zu vergessen. Man könne auch hier Hilfe zur Selbsthilfe leisten: Vergesse es ein Kind immer, die Hausis zu notieren, helfe ein kleiner Anhänger in Form eines Häuschens am Mäppchen.

Das Loslassen sei schon im Vorschuljahr von Bedeutung. Kinder sollten Wege alleine gehen dürfen oder in Entscheidungen mit einbezogen werden. Manche Erwachsene würden durch die zunehmende Eigenständigkeit der Kinder eine wahre Lücke spüren. Wichtig sei dann, das eigene Leben mit mehr Inhalt zu füllen.

Mit Beziehungsstärke ist gemeint, dass man möglichst interessiert und offen am Leben des Kindes teilnimmt. Hilfreich hierfür ist es, Möglichkeiten für Gespräche zu schaffen (am Abendbrottisch, auf dem Weg zum Einkaufen/zum Sport, vor dem Schlafengehen) und dem Kind zuzuhören. Es sei gut, so Hummel, eigene Erfahrungen zurückzuhalten und dem Kind viel Raum für die eigenen Erlebnisse zu geben.

Ungünstig sei zudem, die eigenen Ängste, die zumeist weit in die Zukunft reichen, gegenüber dem Kind zu kommunizieren. Bewältigungskraft würden Kinder dann lernen, indem man Lösungen für die Schwierigkeiten im Hier und Jetzt sucht und nicht das thematisiert, was in einigen Jahren problematisch werden könnte. Das mache deutlich gelassener und unbelasteter. Eigene Ängste, womöglich gespeist aus eigenen Negativerfahrungen aus der Schulzeit, sollten lieber mit anderen Erwachsenen sortiert werden.

Lernen, Hausaufgaben, Noten – Druck nehmen

Dass Hausaufgaben aus Gründen der Chancengleichheit, aber auch hinsichtlich ihrer Wirksamkeit stark umstritten sind, thematisiert Bob Blume, einer der bedeutendsten gegenwärtigen Bildungs-Influencer, in seinem Bestseller über die Schulzeit. Er nimmt die Schule, insbesondere auch das Bewertungssystem, kritisch in den Blick, gibt aber auch hilfreiche, pragmatische Tipps für Eltern.

Solche Einsichten helfen Eltern, Leistung und Notendruck zu relativieren und zu verhindern, dass solche Themen zum Streitthema Nummer eins innerhalb der Familie werden. Für die Grundschulzeit ist ratsam, sich nicht zu viel in die Hausaufgaben einzumischen, sondern eher den angemessenen Rahmen für deren Erledigung zu schaffen.

Wichtig sei, so Inke Hummel in ihrem Buch über die Grundschulzeit, Fehler auszuhalten. Schließlich müsse die Lehrkraft ein realistisches Bild bekommen, was das Kind schon könne oder nicht könne. Es würde sich zudem positiv auf die Bewältigungskraft auswirken, wenn es das Kind aushalte, dass einige Korrekturen anstehen. Eine positive Fehlerkorrektur, nämlich dass Fehler lediglich die Hinweise auf das sind, was noch gelernt werden muss, und Unterstützung dabei, wie die gleichen Fehler künftig vermieden werden können, sind in diesem Kontext hilfreich und zielführend.

Noten sind eine Momentaufnahme

„Wichtig ist vielleicht noch, den Kindern zu verdeutlichen, dass die Anstrengung die eigentliche Leistung ist“, meint Sarah Stuckenbrock. „Man muss sich bewusst machen, dass Noten eine Momentaufnahme sind. Nicht selten schneiden Schülerinnen und Schüler schlecht ab, nur weil sie ein bestimmtes Aufgabenformat noch nicht verstanden haben. Hier gilt es, Geduld und Zuversicht aufzubringen, dass das Kind das schon noch lernen wird. Vieles in der Grundschule ist auch eine Sache der Entwicklung.“

Die Grundschullehrerin zitiert den Buchtitel der Bildungsinfluencerin Caroline von St.Ange („Alles ist schwer, bevor es leicht ist“), um zu verdeutlichen, dass das nachhaltige Lernen ein langer Prozess ist, bei dem sich am Ende eine Zufriedenheit und Freude einstellen kann, es dann doch geschafft zu haben. Bewältigungskraft wächst nur durch Geduld.

„Bei dem ganzen Notendruck vergisst man, dass es auch eine Leistung sei, sich von einer Vier auf eine Drei zu verbessern“, ergänzt Stuckenbrock. Sie empfiehlt es, beim Thema Lernen als Eltern einigermaßen locker zu bleiben. Vieles könne man in den Alltag verlagern. Schließlich gebe es viele Anlässe, wo man zählen, rechnen oder lesen muss. Wenn Kinder es zulassen, könne man mit ihnen auch den Schulstoff üben. Man solle aber nicht vergessen, dass gerade Grundschulkinder noch viel Zeit zum Spielen brauchen würden.

Lehrer und Influencer Bob Blume verwendet den Begriff „Growth mindset“ („Wachstumsdenken“), den die US-amerikanische Psychologin Carol S. Dweck geprägt hat. Derselbe bezeichnet eine Grundhaltung, die sich auf das Lernen, aber auch auf alle anderen Lebensbereiche auswirkt. Letzten Endes ist damit die Überzeugung gemeint, dass Fähigkeiten und Intelligenz nicht festgelegt sind (diese Annahme entspräche dem „fixed mindset“), sondern sich durch Anstrengung, geeignete Strategien, Übung und Unterstützung weiterentwickeln lassen. Es schließt auch eine positive Fehlerkultur mit ein: Fehler werden nicht in erster Linie als Makel, sondern als Chance zum Wachstum verstanden.

Zu den Personen:

Inke Hummel ist Pädagogin, Familiencoach und eine erfolgreiche Kinderbuch- und Sachbuch­autorin. In ihrem Buch "Miteinander durch die Grundschulzeit" gibt sie Eltern allerlei Tipps an die Hand, wie sie die Kompe­ten­zen und Eigenschaften der Kinder fördern können, damit positive Lernerfolge möglich sind und der Nachwuchs gut für die Zukunft gerüstet ist.

Inke Hummel: „Miteinander durch die Grundschulzeit. Beziehung stärken und gelassen begleiten – So schafft dein Kind den Schulalltag“, Humboldt-Verlag 2025, 22,- €, ISBN 978-3-8426-1717-9

Inke Hummel hat auch ein Vorlesebuch geschrieben, das allerhand Gesprächsanlässe über die Gefühle rund um die Einschulung bietet:

Inke Hummel: Ups, ich komme in die Schule – eine Vorlesegeschichte zum Schulstart, Humboldt-Verlag 2026, 18,- €, ISBN 978-3-8426-1726-1

 

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Bob Blume ist selbst Gymnasiallehrer und aktuell einer der einflussreichsten Bildungs-Influencer (u.a. als @netzlehrer auf Instagram). Sein Bestseller nimmt das Schulsystem kritisch in den Blick, thematisiert aber auch, wie wir unsere Kinder innerhalb des bestehenden Systems trotz­dem sinnvoll begleiten können.

Bob Blume: „Wie kommt mein Kind gut durch die Schule? – Noten­druck, Haus­auf­ga­ben­stress und Lern­frust gemeinsam bewältigen. Ein Wegweiser für Eltern“, Mosaik-Verlag 2026, 20,- €, ISBN 978-3442-39461-6
 

Carolin von St. Ange ist Lerncoach, Bildungs­akti­vis­tin und Influencerin auf Instagram mit ihrem Kanal @learnlearning.withcaroline. Eltern finden dort Tipps für die Schultüte und alle mög­lichen Lebens­situationen, aber auch Lerntipps oder Tipps für die fruchtbare Kommunikation mit Kindern über The­men im schulischen Kontext. Manche Erkennt­nisse hat sie in ihrem Buch zusammengefasst.

Caroline von St. Ange: Alles ist schwer, bevor es leicht ist: Wie Lernen gelingt, Rowolth-Verlag 2023, 14,- €, ISBN 978-3499011030

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