Werdende Mamas sollten auf ihre Ernährung achten, damit ihr Körper und das heranwachsende Baby gut versorgt sind. Sie brauchen wenig zusätzliche Energie (Kalorien), dafür aber mehr Vitamine und Mineralstoffe als vor der Schwangerschaft. Nicht alles ist für jede Mama sinnvoll und nötig.

Notwendig oder überflüssig?

Das Angebot an Nahrungsergänzungsmitteln für Schwangere ist riesig. Was ist notwendig, was überflüssig? Dr. Verena Gundelsheimer, Stuttgarter Frauenärztin, Endokrinologin und Mikronährstoffcoach, gibt Aufschluss darüber, worauf es ankommt. „Nährstoffe, auf die besonders geachtet werden sollte, sind Folsäure, Jod, Omega-3-Fett säuren und Eisen“, erklärt die Expertin.

Zwar lassen sich Mikronährstoffe prinzipiell über die Nahrung aufnehmen, doch bei erhöhtem Bedarf oder individuellen Ernährungsgewohnheiten sind Supplemente oft notwendig. Gut zu wissen: Apothekenpflichtige Kombinationsprodukte sind dabei auf die jeweilige Schwangerschaftsphase abgestimmt und entsprechen den Mutterschaftsrichtlinien.

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Folsäure

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Sie ist wichtig für die Zellteilung, Wachstumsprozesse und um das Risiko von Neuralrohrdefekten, also Fehlbildungen im Bereich der Wirbelsäule, zu verringern.

Folatreiche Lebensmittel sind Blattgemüse wie Spinat und Salate, Tomaten, Orangen, Vollkornprodukte, Kartoffeln, Fleisch, Eier und Milchprodukte. „Bei einer ausgewogenen Ernährung sind wir in Deutschland eigentlich gut versorgt, trotzdem wird empfohlen, möglichst drei Monate vor der Schwangerschaft Folsäure einzunehmen.

Spätestens ab der Schwangerschaft und in den ersten drei Monaten ist Folsäure auf alle Fälle wichtig. Die meisten Empfehlungen gehen sogar über die gesamte Schwangerschaft und Stillzeit hinaus“, erklärt die Ärztin.

Jod

Jodmangel in der Schwangerschaft hat besonders schwere Auswirkungen, wie ein erhöhtes Risiko für Früh- und Fehlgeburten oder dauerhafte Entwicklungsstörungen des Skelett- und Nervensystems.

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„Manche Frauen brauchen für ihre eigene Schilddrüse kein Jod, aber es ist sehr wichtig, dass die kindliche Schilddrüse im Leib der Mama gut versorgt ist“, sagt Gundelsheimer. Deshalb wird, nach voriger Jodanamnese empfohlen, ab der 12. Woche Jod einzunehmen. In der Nahrung ist Jod vor allem in Milchprodukten, Seefisch und Jodsalz enthalten.

Omega-3-Fettsäuren

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„Seit einigen Jahren sind die Omega-3-Fettsäuren in die Mutterschutzrichtlinie hinzugekommen, weil man festgestellt hat, dass damit die Gehirnentwicklung bei den Embryos gut unterstützt wird“, sagt Gundelsheimer.

In der Nahrung ist der Stoff in Hülsenfrüchten und Seefisch enthalten. Fisch sollte aber unbedingt durchgegart sein, Sushi fällt in der Schwangerschaft aus. Auch Cholin ist wichtig für die Gehirnentwicklung, Zellmembranen und den Stoffwechsel des Kindes und wird aufgrund der zu niedrigen Aufnahme über die Nahrung oft supplementiert.

Eisen

Bei der werdenden Mama wird regelmäßig Blut untersucht und auch der Eisenspiegel (Hb-Wert und Eisenspeicher Ferritin) getestet. Der Bedarf steigt in der Schwangerschaft für das Baby, die Plazenta und die Mutter.

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„Wenn sie besondere Umstände mitbringt, zum Beispiel, vegan oder vegetarisch lebt, mangelernährt, stark über- oder untergewichtig ist, chronische Darmerkrankungen hat oder bestimmte Medikamente einnimmt, kann möglicherweise Eisen nicht gut aufgenommen werden, und man muss es zusätzlich zuführen“, so die Expertin.

Individuelle Ergänzung statt Selbstmedikation

Ob weitere Nährstoffe zu ergänzen sind, bleibt aber eine individuelle Betrachtung. Beispielsweise kann Magnesium bei frühzeitigen Wehen oder Problemen mit dem Stuhlgang helfen. Vitamin D wird hauptsächlich durch Sonnenlicht gebildet und ist wichtig für die Knochen- und Zahnbildung beim Baby, ebenso Calcium.

Aber keinesfalls sollte in der Schwangerschaft eine Selbstmedikation mit Nahrungsergänzungsmitteln, frei verkäuflichen Arzneimitteln oder scheinbar harmlosen Vitamin- oder Naturpräparaten durchgeführt werden. Verena Gundelsheimer betont: „Einer zusätzlichen Einnahme sollte immer eine ärztliche Empfehlung vorausgehen.“ Nur so ist gewährleistet, dass die Dosierung exakt auf den individuellen Bedarf der Mutter zu geschnitten ist.

Buchtipp

Dr. med. Helena Orfanos Boeckel, Nährstoff- Therapie, Orthomolekulare Medizin & Bioidentische Hormone: Mangel ausgleichen, Beschwerden lindern, Alterungsprozesse aufhalten, 1. Auflage 2022, trias-Verlag, 352 Seiten, ISBN 9783432114965, 28 Euro

Die Autorin erklärt verständlich und strukturiert das komplexe Thema Nährstoffmedizin und gibt praktische Hinweise für Prävention und Therapie. Für Menschen, die sich ausführlich mit Nährstoff-Therapie beschäftigen möchten. Ergänzend gibt es den Praxisleitfragen mit Steckbriefen der Nährstoffe und Dosierungsempfehlungen:

Dr. med. Helena Orfanos-Boeckel, Nährstoff-Therapie - Der Praxisleitfaden, Orthomolekulare Medizin richtig dosieren und anwenden. Vorbeugen und heilen mit Vitaminen, Mineralstoffen & Co., 1. Auflage 2023, trias-Verlag, 200 Seiten, ISBN 9783432118284, 22 Euro