Musik macht glücklich, hebt die Stimmung und unterstützt viele wichtige Fähig- und Fertigkeiten. In der Elementaren Musikpädagogik wird häufig die Basis für ein musikalisches Leben bereitet oder einfach nur die Möglichkeit geschaffen, einen Zugang zur Musik zu bekommen, um dann von allen positiven Effekten zu profitieren.

Jedes Kind ist musikalisch

Musik scheint eine Geheimwaffe zu sein oder sollte man eher sagen, ein Wundermittel? Wer musiziert, der lernt schneller, Musik hebt die Stimmung und hilft uns, schwierige Phasen im Leben leichter zu bewältigen. „Musik ist zudem eine wichtige Ergänzung zur schulischen Bildung, mit dem zusätzlichen Effekt der Förderung von Schlüsselkompetenzen“, erklärt Prof. Dr. Andreas Jäger, stellvertretender Leiter der Stuttgarter Musikschule. Diese Schlüsselkompetenzen sind erwerbbare allgemeine Fähigkeiten, wie Sozialverhalten, Konzentration, Lernfähigkeit und Kreativität.

Viele Untersuchungen und Studien beweisen das, so auch der häufig zitierte Mozart-Effekt, bei dem Studenten nach dem Hören einer Klaviersonate von Wolfgang Amadeus Mozart eine deutlich höhere Leistung zeigten, als eine Vergleichsgruppe, die sich zeitgleich mit Entspannungs- und Atemübungen beschäftigte.

Großer Ansturm auf die Musikpädagogik

Kinder schauen erstaunt in eine Richtung. Sie haben alle ein Musikinstrument in der Hand.
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Kein Wunder also, dass der Ansturm auf die Musikschulen immer größer wird. Allein in Stuttgart hat sich in den letzten Jahren der Fachbereich der Elementaren Musikpädagogik an der Stuttgarter Musikschule erheblich ausgeweitet. Die musikalische Frühförderung bildet die Grundlage und führt in die Musik ein. Das beginnt bei den kleinen Kindern, kann aber auch bis ins hohe Alter hineinreichen, denn auch in Altenheimen und mit an Demenz erkrankten Patienten werden mittlerweile große Erfolge durch die elementare Musikpädagogik erzielt.

Musikprägung beginnt im Mutterleib

Genau genommen beginnen der Zugang zur Musik und damit die musikpädagogischen Ansätze schon vor der Geburt des Kindes, quasi im Mutterleib, wenn die Mutter Musik hört oder selber musiziert“, erklärt Monika Hagmayer, Fachbereichsleiterin der Elementaren Musik­pädagogik an der Stuttgarter Musikschule. Kinder profitieren also schon vor und gleich nach der Geburt davon, dass die Mutter singt oder selbst ein Instrument spielt. Aber auch, wenn Mutter oder Vater einfach nur Musik hören und sich vielleicht dazu mit dem Kind im Arm im Takt bewegen, einfach nur rhythmisch in und her schaukeln, werden musikalische Grundsteine gelegt.

Kinder lernen durch Imitation

"Früher gab es in den Großfamilien noch das klassische Liedgut, das die frühe musikalische Umgebung geprägt und das Leben der Menschen begleitet hat“, erklärt Hagmayer. Heute sind es eher die Charts aus dem Radio.

Der Weg zur Musik ist besonders einfach, wenn in der Familie ein Instrument gespielt wird oder die Eltern Chorerfahrungen haben, wenn die Eltern mit den Kindern in Konzerte gehen oder der Nachwuchs das Üben zu Hause erlebt. „Kinder lernen sehr viel durch Imitation“, so Jäger. Das bezieht sich sowohl auf das Geigespielen, als auch auf das Singen. Wenn die Eltern einen Bezug zur Musik haben, dann fällt es auch den Kindern leichter, den Zugang zu finden. Um jedoch allen Kindern Musik zu ermöglichen, hält Jäger vor allem die Elementare Mu­sik­pädagogik in Kin­dergärten und Schulen für sehr wichtig, denn nicht alle Eltern ermöglichen ihren Kinder aus unterschiedlichen Gründen einen musikalischen Zugang

Musik in der Schule erlebbar machen

„Die Stuttgarter Musik­schule würde sich wünschen, dass jedes Kind in Stuttgart eine musikalische Grundausbildung bekäme“, so Jäger. Bisher erhalten in Stuttgart 25 Grundschulklassen von der Stadt finanziell geförderten Unterricht in der Elementaren Musikpädagogik. „Das ist aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, erklärt Jäger.

„Die Musikschule kann den Musikunterricht in der Grundschule sehr gut ergänzen, ihn aber nicht ersetzen, auch wenn dort ausgebildete Fachlehrer im Moment fehlen.“ Auch in den weiterführenden Schulen kann das aktive Musizieren den eher wissenschaftlichen Ansatz sehr gut bereichern.

Der Unterschied zwischen dem Schulfach Musik und den Kursinhalten der Elementaren Musikpädagogik liegt in erster Linie im Erleben und Spüren, egal, ob gesungen, geklatscht, sich zur Musik bewegt oder ein Instrument kennengelernt wird. „Die Musik ist für uns ein Erlebnisbereich, der Spaß machen soll. Die Kinder springen und laufen zur Musik, fühlen den Rhythmus, hören die Klänge und nehmen sie mit dem ganzen Körper auf“, so Hagmayer.

Der Musikpädagogin ist aber noch ein anderer Aspekt sehr wichtig. „Bei unseren Kursen lernen die Kinder, aufeinander zu reagieren, sich gegenseitig zu hören und freuen sich anschließend, dass sie miteinander etwas geschaffen haben.“ Das macht die Kleinen selbstbewusst und stolz.

Üben bis zum „Flow“

Wenn die Kinder Musik und Instrumente kennengelernt haben, können sie besser entscheiden, ob sie sich eher zur Geige oder dem Klavier hingezogen fühlen, oder vielleicht lieber im Chor singen möchten. „Wenn Kinder ein Instrument erlernen möchten, dann sollte der Impuls von ihnen kommen, nicht von den Eltern. Wenn zu Hause schon ein Klavier steht und das Kind aber lieber Trompete lernen möchte, sollte man den Trompetenunterricht ermöglichen, wenn der Wunsch nachhaltig geäußert wird“, räumt Jäger ein.

Denn eins ist dem Pädagogen wichtig, Musik macht man, weil man es gerne macht. Nur so haben die Kinder auch dauerhaft Spaß am Instrument und übenselbständig und ohne Druck. Und dann haben sie die Chance, „eins zu werden mit der Musik“ und in den sogenannten „Flow“ zu kommen. „Das hat schon fast meditativen Charakter“, sagt Jäger. Regelmäßiges Üben sorgt aber auch in anderen Lebensphasen für Stabilität. Geduld und Ausdauer gehören genauso zum Musizieren, wie Konzentration, Ordnung und Strategie.

Musikkurse auch schon für Kleine

Während die musikalische Früherziehung in den 60er Jahren zunächst im Vorschulalter ansetzte, zeigten die positiven Effekte schnell, dass man bei den Kindern auch schön früher ansetzen kann. Somit verlagerte sich das Einstiegsalter der Kinder zunächst auf drei Jahre, später fanden Kurse bereits ab zwei Jahren gemeinsam mit Eltern statt. „Am besten man beginnt so früh wie möglich“, erklärt Hagmayer. Denn in den Kursen werden alle Sinne angesprochen und gefördert und das ist besonders in jungen Jahren sehr wichtig. „Je eher, desto besser. Das öffnet die Antennen und stärkt die gesamte Wahrnehmung, sowie die motorische Entwicklung der Kinder.“ Inzwischen wird deshalb bereits in einigen Kursangeboten im frühen Windelalter mit etwa drei Monaten in den sogenannten Baby-Eltern-Gruppen begonnen.

„Musik ist eine Sprache, die alle Menschen sprechen“, hat der italienische Sänger Andrea Bocelli gesagt. Musik verbindet die Menschen und Musik berührt alle Menschen. Genau deshalb sind jeder von uns und auch jedes Kind musikalisch. Man muss es nur zulassen und das am besten so früh wie möglich.