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Mannschaftssport für Kinder: Vorteile für Körper und Sozialkompetenz

19.03.2026

Es gibt viele Mannschaftssportarten, von Fußball bis Volleyball, von Cheer­leading bis Radball. So unterschiedliche die Sportarten auch sind, sie haben vieles gemeinsam, sie vermitteln Teamgeist, stärken die Verantwortung, machen selbstbewusst und verbessern das Durch­haltevermögen. Das sind nur ein paar Vorteile des Mannschafts­sports, aber es gibt noch weitere Aspekte.

Sport macht Spaß, Sport tut gut und ist gesund. Das gilt sowohl für Individualsportarten, als auch für den Mannschaftssport.

Mannschaftssport ist in Deutschland die beliebtere Wahl, berichtet die Krankenkasse Viaktiv, die auf eine Umfrage hinweist, bei der 68 Prozent der Befragten sich für gemeinsamen Sport ausgesprochen haben.

Gemeinsame Ziele verbinden, man lernt, sich auf andere zu verlassen und übernimmt im Team selber Verantwortung. So wachsen nicht nur sportliche Leistungen, sondern auch soziale Kompetenzen. Sport wird zur Schule des Lebens und trainiert sogar das Gehirn auf ganz besondere Art und Weise.

Was sind eigentlich Mannschaftssportarten?

Es gibt zahlreiche Mannschaftssportarten, auch einige, die einem vielleicht nicht gleich in den Sinn kommen. Zunächst denkt man an Fußball, Volleyball, Basketball und Handball, vielleicht noch an Hockey, Rugby und Wasserball. Aber es gibt auch American Football, Beachvolleyball, Baseball, Softball, Lacrosse, Korfball, Schlagball, Radball, Polo und Eishockey. Die Liste lässt sich noch erweitern. Laut Definition ist Mannschaftssport eine Sportart, bei der mehrere Personen als Team gemeinsam gegen ein anderes Team antreten oder ein gemeinsames Ziel verfolgen. Entscheidend sind Zusammenarbeit, abgestimmte Rollen und gemeinsame Taktik. Oft handelt es sich um Ballsportarten, bei denen Parteispiele stattfinden.

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Doch auch Cheerleading gehört zum Mannschaftssport, wie Curling oder Indiaca. Beim Badminton, Tischtennis oder Tennis überwiegt der Einzelsport, auch wenn es Doppel- und Mixed-Wettbewerbe gibt. Sie gehören zu den Rückschlagsportarten und offiziell  zum Individualsport.

Grundsätzlich ist die Einteilung in Mannschaftssport und Individualsportarten nicht immer klar an der Sportart auszumachen, da es unterschiedliche Zusammenstellungen oder Wettkampfarten gibt. So gibt es zum Beispiel auch beim Turnen Gruppenwettkämpfe.

Berührung tut gut

Wenn sich Kinder für einen Sport entscheiden, können sie bei Mannschaftssportarten von ganz besonderen Vorzügen profitieren.

Dazu gehört auch der Körperkontakt. Schulterklopfen, Abklatschen, Antippen, an den Händen fassen, das sind Berührungen, die beim Mannschaftssport häufig vorkommen und gut tun. In Zeiten, in denen immer wieder Übergriffe im Sport thematisiert werden, ist das nicht leicht zu verstehen, aber Menschen brauchen Berührungen.  Diese werden immer weniger, berichten verschiedene Wissenschaftler und haben dafür einen eigenen Begriff kreiert: Touch-hunger.

Direktverbindung ins Wohlfühlzentrum im Gehirn

Berührungen sind ein Grundbedürfnis und wichtig für die Entwicklung von Kindern. Schon bei Babys beeinflussen Berührungen die Körperfunktionen positiv. Berührungen stärken aber auch das Immunsystem, lassen Sorgen vergessen, verbinden, schaffen Kontakt, Vertrauen und Verbundenheit.

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„Eine fünfsekündige Berührung ist rein biologisch gesehen ein Feuerwerk“, erklärt die Wissenschaftlerin Ilona Croy vom Universitätsklinikum Dresden. Dieses Feuerwerk findet im Mannschaftssport häufig statt und sorgt für besondere Reize, indem sie Nervenfasern erreichen, die über eine Direktverbindung in die Wohlfühlzonen im Gehirn verfügen.

Sport schafft Freunde

Im Sport können Berührungen nicht nur das Wohlfühlzentrum im Gehirn ansprechen, sondern auch für Leistungssteigerung sorgen, wie eine Studie der Universität Kaiserslautern und der Purdue Univerity in Indiana (USA) ergab.

Wo finde ich Angebote für Mannschaftssportarten?

Auf dem Weg zum Mannschaftssport bieten die Sportkreise Stuttgart, Ludwigsburg, Esslingen, Böblingen und Rems-Murr sowie das Amt für Sport und Bewegung der Landeshauptstadt Stuttgart und Ämter anderer Gemeinden Informationen und Kontakte zu den Angeboten der Vereine vor Ort.

Ein Grund dafür: Körperkontakt baut Stress ab und das Hormon Oxytocin wird ausgeschüttet. Dadurch kann Körperkontakt auch gegen Ängste und sogar gegen Schmerzen wirken, was die Leistung verbessern hilft.

Berührung ist außerdem eine Art der Kommunikation. Und Kommunikation schafft Kontakte. Das fällt auch beim Mannschaftssport auf. Die Studie „Medikus“ des Deutschen Jugendinstituts bestätigt, dass gerade Kinder und Jugendliche beim Mannschafts- und Ballsportart häufig neue Freunde finden. Das hat die positive Folge, dass sie den Sport viel regelmäßiger betreiben, um diese neuen Freunde treffen zu können.

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Soziale Erfahrungen im Sport helfen im Alltag

So ermöglicht der Mannschaftssport viele soziale Begegnungen und sorgt für Erfahrungen, die sich durch das Miteinander agieren ergeben. Teamfähigkeit und Konfliktfähigkeit gehören genauso dazu, wie Verantwortung zu übernehmen, Vertrauen zu erfahren und in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen. „Die so erlernten sozialen Kompetenzen helfen den Kindern auch im alltäglichen Miteinander, besser mit verschiedenen Situationen umgehen zu können“, erklärt Theresa Pfenig, Sportsoziologin.

Soziale Fähigkeiten wie Teamgeist, Loyalität, Respekt, Toleranz und Fairness stehen im Mannschaftssport neben den sportlichen Fähigkeiten im Vordergrund. Und da man bei Wettbewerben nicht immer nur gewinnt, lernt man auch gleich, mit den Teamkollegen zusammen Niederlagen einzustecken und zusammen zu verarbeiten, indem man gemeinsam einen Lösungsweg für den nächsten Wettkampf oder das nächste Spiel sucht. Eishockeyspielerin Nicola Eisenschmid, die mit der Eishockeynationalmannschaft an den Olympischen Spielen in diesem Jahr teilgenommen hat, sieht das als positives Element: „Man gewinnt zusammen, man verliert zusammen und man ist nie alleine!“ Ganz nach dem Motto, geteiltes Leid ist halbes Leid.

Gemeinschaft zählt

Lernen durch Teamarbeit ist ein wichtiger Aspekt. Kinder lernen im Mannschaftssport zusammenzuarbeiten, sich gegenseitig zu unterstützen und gemeinsam auf ein Ziel hinzuarbeiten, mit Disziplin und Zuverlässigkeit, aber auch mit Spaß und gemeinsamen Erlebnissen. Sie lernen individuelle, aber auch kollektive Verantwortung für das Team zu übernehmen und erfahren dabei, wie wichtig jeder einzelne Beitrag zum Erfolg des Teams ist. Wobei der Erfolg nicht immer am Ergebnis abzulesen ist. Spaß und Freude in der Gemeinschaft sind ein wichtiges Ziel.

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Dazu trägt auch das Trainerteam entscheidend bei, in dem es die individuellen Fähigkeiten jedes Einzelnen heraushebt, um den Erfolg und das gemeinsame Gelingen der Gruppe zu fördern und das Wir-Gefühl zu stärken.

„Manchmal stechen einzelne Teilnehmer im Mannschaftssport heraus, aber alleine kann man es nicht schaffen“, weiß auch Sportschau-Moderator Alex Schlüter.

Kooperation und soziales Handeln sind gefragt

Die Teilnahme am Mannschaftssport kann bedeutsame Effekte auf die Selbst- und Sozialkompetenz haben. Sportwissenschaftler Matthias Güttl aus Österreich betont, dass eine regelmäßige Teilnahme nicht nur kooperative Fähigkeiten und Kommuni­ka­tions­gestaltung ver­bes­sert, sondern auch das Selbstwertgefühlt und die Selbstregulation stärkt. Damit bietet Mann­schafts­sport ideale Grund­lagen zur Förderung sozialer Kompetenzen und sozialem Engagement.

Kommunikation und Konfliktlösung

Das gemeinsame Zusammenspiel ist auch eine Herausforderung für das Gehirn. Laut Krankenkasse Viaktiv müssen Mannschaftssportler intensiver taktisch denken, zudem Loyalität, Respekt, Toleranz und Fairness in ihr Handeln einbeziehen.

Die Reize an das Gehirn sind vielfältig und breit gestreut. Auch bedingt durch die Kommunikation untereinander, die nicht nur für das Gelingen abgestimmter Handlungen wichtig ist, sondern auch bei Konflikten und Problemlösungen. Diese Erkenntnis hilft auch im Alltag. Kinder müssen miteinander sprechen, um Strategien zu planen, Anweisungen zu geben, Herausforderungen zu bewältigen, eigene Interessen zu bekunden.

Dranbleiben

Damit Kinder die Lust am Sport nicht verlieren und auch über eine längere Zeit gerne zum Training gehen, spielt das „Bedürfnis an Anschluss an eine Gruppe“ laut Sportpsychologin Julia Boie eine entscheidende Rolle. Das „Bedürfnis nach Bewegung“ und das „Bedürfnis, Neues zu lernen“, das sogenannte Neugiermotiv sowie das „Bedürfnis, sich kompetent zu fühlen“ sind weitere Beweggründe für Kinder für die Begeisterung zum Sport und können von Eltern durch positiven Zuspruch unterstützt werden.