Der Frühling lockt die Radlerinnen und Radler wieder in den Sattel, viel leicht sogar aufs Lastenrad. Bevor es auf die erste Tour geht, sollte auch das Fahrrad fit sein. Wir haben mit Thomas Jürgens von LadeHero CargoBikes über Checklisten, CargoBikes und Citytouren gesprochen.

Mit dem „Drahtesel“ unterwegs

Thomas Jürgens war schon immer ein begeisterter Radfahrer. Mit der Eröffnung von LadeHero CargoBikes 2020 in Stuttgart setzte er, gemeinsam mit seinem Mitgesellschafter, auch beruflich auf Zweiräder und zwar mit Transportkiste – ganz nach dem Motto: „Mit Lastenrädern erobern wir den Kessel zurück. Kein Stau. Keine Parkplatzsuche. Keine Abgase. Und kein bisschen Lärm.“

Das Verkehrschaos in der Stuttgarter Innenstadt führt immer mehr Familien in seinen Showroom in der Villastraße. „Viele Familien möchten mit dem Kauf eines Lastenrades ein Auto einsparen“, weiß der Geschäftsführer aus zahleichen Verkaufsgesprächen. Ein Lastenrad ist ein wendiges Transportmittel, das teilweise (modellabhängig) bis zu 100 Kilogramm Zuladung vertragen kann.

Welches Lastenrad passt am besten?

Die zentrale Frage bei der Auswahl eines Lastenrades ist „Was soll transportiert werden?“: Einkäufe, größere oder kleinere Waren, Hunde, Kinder - wie viele Kinder, in welchem Alter…..Lastenräder eignen sich aber auch für Ausfahrten in der Freizeit. Auch die Fahrweise und die Topographie sind wichtige Faktoren bei der Wahl des richtigen Modells. Im Geschäft von Jürgens stehen rund 20 verschiedene Modelle zur Auswahl, die meisten als Pedelec mit starken Motoren, die man bei der Stuttgarter Kessellage besonders zu schätzen weiß.

Je nach Anforderungen wählt man ein Fahrrad dieser drei Haupt-Bauformen:

Das kompakteste ist das „Longtail“, das sich von einem normalen Rad nur durch den verlängerten Gepäckträger und die sehr hohe Zuladung unterscheidet. Bis zu zwei Kinder oder Einkäufe haben auf dem „Longtail“ Platz.

© Multitinker

Der Gepäckträger über dem Vorderrad bietet eine zusätzliche Transportmöglichkeit. Das Fahrverhalten ist vergleichbar mit dem eines klassischen Fahrrads. Wer Rad fährt, fühlt sich auf dem „Longtail“ wohl.

© Cargofactory Longjohn

Noch mehr Platz bietet das „Longjohn“, bei dem die Transportbox vor dem Fahrer sitzt. Je nach Modell können bis zu vier Kinder auf den gepolsterten Sitzen mit Gurtsystem mitgenommen werden.

Vor Nässe schützt ein Regenverdeck und auch Vollfederungen sorgen für mehr Komfort. „Von sportlich agil bis gelassen komfortabel reicht das Fahrverhalten der verschiedenen Modelle“, führt Jürgens aus. Durch die schmale Bauweise ist die Fahrt auch auf engen Radwegen möglich. Aufgrund der Länge dürfen die meisten „Longjohns“ allerdings nicht mit in die Bahn.

Die dritte Modell-Variante ist ein Lastenrad mit drei Rädern. Beim Dreirad sitzt die Last meist vorne, also vor dem Fahrer. Vorne sind auch die beiden Räder montiert.

© Christiania Dreirad

Vier großzügige Sitzplätze sind hier die Regel und selbst bei voller Beladung mit vier Kindern ist noch Platz für die komplette Picknick- oder Schwimmbad-Ausrüstung. Das Fahrverhalten der großen Dreiräder ist gemütlich, Eile und Hektik ist etwas für die anderen.

„Wer sich für ein Lastenrad interessiert, vereinbart am besten einen Termin zum Testen der einzelnen Modelle“, empfiehlt Jürgens. „Von unserem Laden im Stuttgarter Osten ist es nicht weit zum Rosensteinpark. Hier kann man die Räder ausgiebig und ab seits des Straßenverkehrs testen.“ Radaffine Menschen würden zum „Longjohn“ oder „Longtail“ tendieren. Bei sehr großen Lasten würden Dreiräder bevorzugt. Auch ungeübte Fahrerinnen und Fahrer würden sich auf den dreirädrigen Modellen oft sicherer fühlen. Bei einer Probefahrt merke man schnell, auf welchem Rad man sich am wohlsten fühle. Und auch die Kinder entwickeln bei der Probefahrt schnell eine Vorliebe für ein Fahrrad.

Ein wichtiges Auswahlkriterium ist ebenfalls die Lage der Transportkiste.  „Kinder hat man lieber im Blickfeld“, erklärt er. Denn auch kleinere Kinder können schon im Maxi Cosi oder einer speziellen Babyschale mitfahren. Ältere Kinder sitzen angeschnallt und mit Helm in der Transportbox, die es aus Holz, Metall oder Kunststoff gibt. Beim Fahren gilt, Hände immer innerhalb der Transportkiste lassen.

Auch in Stuttgart gibt es die initiative „Kidical Mass“. Sie wird von ehrenamtlichen in wechselnder Besetzung organisiert. Das Ziel der Touren ist, dass sich auch Kinder sicher und selbständig mit dem Fahrrad in den Städten bewegen können. Die Verkehrspolitik soll Kindern im Straßenverkehr stärker berücksichtigen.

Bei den Veranstaltungen, die von der Polizei begleitet werden, sollen die Kinder aber auch Spaß haben können und die freie Fahrt genießen. Wer Lust hat mitzumachen, ist willkommen. Entstanden ist „Kidical Mass“ in den USA. Inzwischen finden auch in vielen Städten in Deutschland regelmäßig „Kidical Mass“ Touren statt, um zumindest einmal im Monat für eine Stunde sicheres und entspanntes radfahren in der Stadt zu erleben.

kidicalmass-stuttgart.de

Was kostet ein Lastenrad?

Ab etwa 5.000 Euro kostet ein Lastenrad mit Motor und Akku, passend zur Stuttgarter Topographie. Besonders wichtig sind die Bremsen, die bei den Stuttgarter Hang- und Höhenlagen besonders stark beansprucht werden. Jürgens empfiehlt seinen Kundinnen und Kunden, über eine Diebstahlsicherung nachzudenken, die auch als Zusatz mit in die Hausratversicherung aufgenommen werden kann. Möglich ist auch der Einsatz von GPS-Trackern, die nach einem Diebstahl die Ortung des Rades möglich machen. Außerdem rät er, auch tagsüber mit Licht zu fahren.

Die Stadt Stuttgart fördert die Anschaffung eines Lastenrades, um den Umstieg aufs Rad für Familien und Alleinerziehende attraktiver zu machen. Mindestens 600 Euro Zuschuss werden für die meisten Lastenräder gewährt, für Familien mit Familien- oder Bonuscard noch mehr. Und wer nachweisen kann, dass er kein Auto besitzt oder eines abgeschafft hat, erhält einen zusätzlichen Nachhaltigkeitsbonus. Mehr zu den Fördervoraussetzungen unter www.stuttgart.de/leben/ mobilitaet/elektromobilitaet/.

Um auch einkommensschwachen Haushalten einen Zugang zu Lastenrädern zu ermöglichen, hat der Stuttgarter Gemeinderat im letzten Jahr beschlossen, einen Verleih mit 60 hochwertigen Lastenrädern einzurichten. Seit Dezember stehen 30 Räder bereit, 30 weitere folgten im Februar 2023, Details unter lastenrad.neuearbeit.de.

Neue Trends, nicht nur bei Lastenrädern

Immer interessanter wird die Rekuperation bei den Motoren von E-Bikes, darunter versteht man die Energierückgewinnung mithilfe des Motors beim Bremsen. Die meisten E-Bikes auf dem Markt bieten Rekuperation bisher meist allerdings noch nicht an. Auch im Bremsbereich gibt es neue Entwicklungen: ABS-Sensoren an den Bremsscheiben der Räder registrieren deren Raddrehzahlen. Beim Blockieren des Vorderrades greift die Steuereinheit blitzschnell ein und senkt den Druck an der Hydraulikbremse des Vorderrads so lange ab, bis es wieder rollen kann. Anschließend wird der Bremsdruck erneut aufgebaut.

Sicher in die neue Radsaison

In Deutschland gibt es laut Bundesministerium für Digitales und Verkehr bereits in rund 80 Prozent der Haushalte mindestens ein Fahrrad. Bevor es im Frühling wieder aufs Rad geht, sollte in einem Check-up folgendes überprüft werden:

  • Bei dem Test der Bremsen darauf achten, dass Vorder- und Hinterradbremse gleichmäßig funktionieren, die Bremshebel müssen leichtgängig sein.
  • Auch alle Kabel und Steckverbindungen sollten sorgfältig angeschaut und eingerostete Kontakte gesäubert werden. Wenn ein Licht nicht mehr funktioniert, könnte es am Leuchtmittel liegen.
  • Neben einem funktionierenden Vorder- und Rücklicht müssen reflektierende weiße Streifen an den Reifen oder Speichen vorhanden sein. Falls diese nicht vorhanden sind, können alternativ vier gelbe Speichenreflektoren (Katzenaugen) benutzt werden.
  • Eine funktionierende Klingel ist Vorschrift, also Klingeltest machen.
  • Die Fahrradkette ölen und alle beweglichen Teile des Rades einfetten. Dazu kann man säurefreies Öl (Nähmaschinen- oder Schmieröl) verwenden.
  • Auch die Schaltung sollte überprüft werden und alle verfügbaren Gänge sollten sich leicht schalten lassen.
  • Bei den Reifen sollte man darauf achten, dass sie weder abgefahren noch zu spröde sind. Immer auch den Reifendruck kontrollieren und eventuell aufpumpen.
  • Passt die Höhe des Fahrradsattels noch?
  • Bei einer abschließenden Reinigung merkt man, welche Schrauben nachgezogen werden müssen.
  • Nicht vergessen, den Akku bei E-Bikes vor der ersten Fahrt aufladen. Für E-Bikes gibt es beim Händler regelmäßige Firmware Up-dates.