Kindersonnenschutz im Sommer - So schützen Eltern ihre Kinder richtig vor UV-Strahlung

24.06.2026

Die Sonne knallt – es brennt auf der Haut, als wären wir an einem südländischen Strand und nicht bloß am Sandkasten um die Ecke. Selbst Wolken können die UV Strahlung nicht aufhalten, und eine UV-Be lastung der Haut in jungen Jahren erhöht erheblich das Hautkrebsrisiko.

Elf bis drei - sonnenfrei!

Angela Maier und Astrid Matheis sind Familien-, Gesundheits- und Kinderkrankenschwestern in der pflegerischen Elternberatung des Olgahospitals im Klinikum Stuttgart, die von der Olgäle Stiftung für das kranke Kind e.V. finanziert wird. Sie geben unter anderem kostenlose Online-Elternkurse zu gesundheitlichen Themen.

Zum Sonnenschutz erklären sie: „Die Kinderhaut ist dünner als unsere Erwachsenenhaut und hat da durch weniger Eigenschutz.“ Besonders im ersten Lebensjahr ist der Schutz vor direkter Sonne wichtig, denn Babys sollten in den ersten zwölf Monaten noch gar nicht eingecremt werden. Stattdessen gilt es, Schatten aufzusuchen, geeignete Kleidung anzuziehen und die Sonnenstrahlen durch Sonnenschirm oder Strandmuschel, möglichst mit integriertem Lichtschutzfaktor, fernzuhalten.

Schatten als wichtigster Schutz

Besonders Sonnenbrände in der Kindheit erhöhen das Hautkrebsrisiko, deshalb sollte man die ersten „Sonnenjahre“ konsequent geschützt verbringen. Auch die Augen leiden in der prallen Sonne. Sonnenbrille oder Schirmmütze sind daher Pflicht für Jung und Alt. Weite Kleidung aus nicht zu locker gewebtem Material, sowie Mützen, die den Nacken bedecken. „Auch bei älteren Kindern sind eine Kopfbedeckung und das Bedecken eines Großteils der Haut durch geeignete Kleidung wichtig“, sagt Maier. Spezielle Sonnenschutz-Kleidung könne die schützende Wirkung noch verstärken.

In der Praxis zeigt sich ein geteiltes Bild: Eltern, die ihren Kindern stets mit teurer Vollausstattung hinterherrennen und jene, die eher nachlässig sind. Hinzu kommen die Vitamin-D-Jäger, die bewusst auf Sonnenschutz verzichten. Wo fängt die Panik an, wer ist zu locker?

Die goldene Mitte

Luftballon hat bei Dr. Tobias Bischof nachgefragt. Er ist Kinderarzt am Gesundheitsamt Stuttgart und Stellvertretender Fachgebietsleiter für Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen. „Wichtig finde ich hier die Verhältnismäßigkeit: Schirmen Eltern ihre Kinder hermetisch von jedem Sonnenstrahl ab, besteht die Gefahr eines Mangels an Vitamin D.

Setzen sie das Kind jedoch aus Angst davor stundenlang der prallen Sonne aus, überwiegen die Nachteile wie Hitzschlag, Sonnenstich, Hautalte rung und Krebsrisiko bei Weitem.“ Sein Rat: Nicht dogmatisch werden. Im Winter die Sonne nutzen, im Sommer sich und die Kinder vor der prallen Sonne schützen.

Die Vitamin D-Faustregel

Kinder bis zum Vorschulalter sollten zwischen 11 und 15 Uhr die pralle Sonne meiden und Babys dürfen nie direkt der Sonne ausgesetzt werden, weil ihre Haut sehr empfindlich ist und die Wärmeregulation noch nicht ausreichend funktioniert. Deswegen bekommen sie auch in den ersten Jahren die Vitamin D-Prophylaxe.

„Später, wenn das Kind abwechslungs reich ernährt wird und immer mal wieder etwas in der Sonne ist, reicht das bei einem gesunden Kind aus, um den Vitamin D-Be darf zu decken. Etwa zehn bis 15 Minuten Sonneneinstrahlung an zwei bis drei Tagen in der Woche genügen, sofern Unterarme, Hände und Gesicht unbedeckt sind. Diese Werte variieren je nach Hauttyp und Tageszeit. Kinder, die schnell auf Sonne und Hitze reagieren, könnten nachmittags oder abends mal ohne Creme in die Sonne gehen. Dabei sollten Eltern immer abwägen, was den größeren Nutzen hat, sagt Bischof. Die Eigenschutzzeit ihrer Haut beträgt nur etwa zehn Minuten.

Wie viel Sonnenzeit?

Die Sonnenschutzmittel verlängern die Zeit, die man ohne Hautschaden in der Sonne bleiben kann. Aber sie werden meistens nicht ausreichend aufgetragen. Deswegen sollte man diese theoretische Zeit nie ausschöpfen und immer daran denken, reichlich Sonnencreme aufzutragen. „Direkte Sonne sollte aber auch ein gecremt vermieden und der Aufenthalt im Schatten immer bevorzugt werden“, empfehlen Matheis und Maier. Vor allem nach dem Baden, Schwitzen oder Spielen im Sand ist Nachcremen wichtig, warnen sie.

Bei den Sonnencremes unterscheidet man zwischen Cremes mit mineralischem und mit chemischem Filter. Chemische Filter ziehen in die Haut ein, mineralische bilden eine Schutzschicht auf der Oberfläche. „Der Nachteil der mineralischen Filter ist der weiße Film auf der Haut. Aber solange die Kinder sich nicht beschweren, empfehlen wir diesen Schutz“, so die Expertinnen. Gute Cremes sollten speziell für Kinder geeignet sein, auf unnötige Inhaltstoffe verzichten, mindestens LSF 30 aufweisen und müssen zudem nicht teuer sein.

Manche Cremes stehen im Verdacht, selber krebserregend zu sein, da sie Chemikalien und Nanopartikel enthalten. „Wenn eine Creme zugelassen ist, ist sie akut nicht gefährlich“, beruhigt Bischof. Man sollte eine Creme wählen, die man gut verträgt und sich durch durchgeführte Tests informieren. Wegen einer Creme Krebs zu bekommen, sei eher unwahrscheinlich. Das Risiko durch ungeschützte Haut sei höher. Allerdings sei auch zu beachten, dass das ständige Nachcremen zwar zu empfehlen sei, aber eine Sonnenpause die bessere „Schutzalternative“ wäre.

Sonnenbrand

Hat die Haut doch einmal zu viel Sonne abbekommen, sollte man sie kühlen. „Zum Beispiel mit Wasser oder feuchtem Umschlag“, rät Bischof, „eventuell auch mit einem Quark-Umschlag, aber ansonsten keine Hausmittelchen, die die geschädigte Haut eher noch reizen können.“ Sonst sollte das Kind in den Schatten oder ins Haus gehen und am besten die nächsten zwei Wochen die Haut nicht mehr starker Sonnenstrahlung aussetzen, egal ob eingecremt oder nicht.

Einen hundertprozentigen Schutz kann es nicht geben. „Die wichtigste Botschaft unseres Kurses an die Eltern ist immer, die Zeit zwischen elf und 15 Uhr zu meiden und einen Sonnenbrand der Kinder zu verhindern“, sagt Matheis. Tritt dennoch eine Rötung auf – was bereits die erste Stufe des Sonnenbrands ist – können Pflegecremes mit zum Beispiel Aloe Vera oder After-Sun Produkte helfen. Babys mit Sonnenbrand oder Kinder mit stark geschädigter Haut, wie starker Rötung oder sogar Blasenbildung, sollten unbedingt einem Arzt vorgestellt werden.

UV–Checkliste

Schattige Plätze:
Für Babys unverzichtbar – Bäume, Sonnenschirme, Sonnensegel mit LSF.

Kopf:
Kappe oder Tuch mit Schirm und Nackenschutz benutzen. Gesicht, Nacken und Ohren sind besonders empfindlich.

Augen:
Je mehr man sich im Freien, vor allem im Hochgebirge, am Strand, am See, aufhält, desto mehr ist das Auge der UV Strahlung ausgesetzt. Die Sonnenbrille sollte an das Gesicht angepasst sein, weder Wimpern noch Wangen berühren und an den Seiten möglichst kein Licht hereinlassen. Sie muss nicht zwingend teuer sein, aber einen besonders starken UV-Filter, wie zum Beispiel UV400 und das CE–Zeichen haben. Aufkleber, die 100-prozentigen UV-Schutz versprechen, reichen nicht aus.

Kleidung:
Bedeckt möglichst viel vom Körper, ist luftig und engt nicht ein, langarmige Hemden oder T-Shirts, weit geschnittene, möglichst lange Hosen, Kleidung mit UV-Schutz, kräftige Farben wie rot, lila, grün, blau, lassen weniger UV Ausstrahlung durch.

Füße:
Schuhe, die den Fuß – auch die Ferse und den Fußrücken – weitgehend bedecken.

Eincremen: Produkttest beachten. Im Sommer in Deutschland in der Regel mindestens LSF 30 (schützt bereits vor mehr als 95% der Strahlen) möglichst eine halbe Stunde vor dem Sonnenbad reichlich auftragen. Am Strand wasserfeste Produkte mit LSF 50 wählen, die sowohl gegen UV-B als auch gegen UV-A-Strahlen wirken. Alle unbedeckten Körperstellen mit Kinder-Sonnenschutzmittel einreiben. Bei längerem Verweilen in der Sonne wiederholen. Wasser intensiviert die Sonnenstrahlung.

Auto:
Kinder nie alleine im Auto lassen! Bei einer Außentemperatuf von 34 Grad erhitzt sich das Auto bereits nach 15 Minuten auf über 40 Grad, die für Babys und Kleinkinder lebensgefährlich sein können. Nach circa 30 Minuten werden 46 Grad erreicht und damit besteht dann akute Lebensgefahr für Kinder. (Bei 24 Grad Außentemberatur werden die 46 Grad nach 45 Minuten erreicht.) Während der Fahrt sollten die Kinder auf die Schattenseite sitzen und die Fensterscheibe bedeckt sein zum Beispiel mit Window Sock mit UV-Schutz. Weitere Tipps findet man unter ace.de/ratgeber/mobilitaet/hitze-im-auto.

UV Index beachten:
Auch bei Wolken dringt die UV-Strahlung bis auf die Haut durch. Bis zu einem UV-Index 2 ist kein besonderer Sonnenschutz erforderlich. Darüber hinaus gilt: Je höher der Indexwert ist, umso mehr Schutz ist erforderlich. Bis Stufe 5 gilt mittlere Gefahr, Stufen 6-7 gelten als hohe Gesundheitsgefahr, ab hier sollte man lange Kleidung tragen, Stufen ab 8 und 9 stehen für sehr hohe Gesundheitsgefahr mit sehr hoher UV-Belastung. Die ungeschützte Haut kann in weniger als 10 Minuten verbrennen.

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