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Geburtsschmerz verstehen: Tipps für eine entspanntere Geburt

21.05.2026

Wehen sind schmerzhaft, daran besteht kein Zweifel. Einige Frauen beschäftigt das schon vor der Geburt. Doch wie schmerzhaft die Geburt wird, ist individuell verschieden. Nicht nur das Schmerzempfinden weicht voneinander ab, auch unterschiedliche Arten der Geburtsvorbereitung oder Maßnahmen unter der Geburt können Schmerzen beeinflussen und mindern.

In einem Hollywoodfilm bricht eine Frau beim Einsetzen der Wehen zusammen, fängt an zu schreien, bekommt keine Luft mehr und krümmt sich vor Schmerzen. Das macht vor allem Frauen, die noch keine Kinder auf die Welt gebracht haben, Angst. Doch bei weitem verlaufen nicht alle Geburten so dramatisch. Im Gegenteil.

Geburten sind individuell, auch wenn der Prozess im Prinzip immer gleich abläuft: Kontraktionen der Gebärmutter öffnen den Muttermund, schieben das Baby nach unten und durch den Geburtskanal.
 

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„Obwohl die Wehen weh tun, sind sie ein notwendiger und sinnvoller Prozess, um das Baby auf die Welt zu bringen“, erklärt Barbara Schmid, die die Hebammenschule am Klinikum Stuttgart geleitet hat. Der englische Begriff für Wehen ist „Labour“, wörtlich übersetzt „Arbeit“. „Dieser Begriff passt sehr gut, wenn man an die Aufgabe der Wehen denkt. In erster Linie geht es darum, gemeinsam mit der Kraft der Wehen daran zu arbeiten, dass das Kind geboren wird“, so Schmid.

Wehenpausen sind Erholungspausen

Zunächst treten die Kontraktionen in zeitlichen Abschnitten von etwa zehn bis 15 Minuten auf. Dazwischen hat die werdende Mutter Zeit, sich zu erholen. Die Abstände zwischen den Wehen werden jedoch mit Verlauf der Geburt kürzer und münden in die Presswehen, die dafür sorgen, dass der Kopf des Babys leichter durch den Geburtskanal durchtreten kann. „Die Wehenpause ist bis zum Ende der Geburt immer mindestens doppelt so lang wie die Wehe“, erklärt Schmid. „Wenn die Wehe also eine Minute dauert, dann kommen danach zwei Minuten Erholungspause für Mutter und Kind.“ Diese Pause gilt es, gut zu nutzen, um Kraft für die nächste Wehe zu tanken.

Starke Schmerzen entstehen im Gebärmutterhals

Schaut man sich die Physiologie der Gebärmutter an und betrachtet den Geburtsprozess, so ist es kein Wunder, wenn die Geburt nicht schmerzfrei an einer Frau vorbeigeht. Die starken Schmerzen entstehen bei der Eröffnung von Gebärmutterhals  und Muttermund. Die schwedische Wissenschaftlerin Berith Karlsson Tingaker hat herausgefunden, dass im Gebärmutterhals eine besonders hohe Dichte an schmerzempfindlichen Nervenzellen existiert.

Die Schmerzempfindlichkeit in der Gebärmutter lässt  während der Schwangerschaft nach, doch im Geburtskanal nimmt sie zu. Der Gebärmutterhals endet in einem muskulären Ring am Ende des Uterus, dem Muttermund. Er besteht aus festem Bindegewebe mit einem hohen Kollagenanteil. Der Gebärmutterkörper dagegen besteht überwiegend aus Muskelfasern. Unter der Geburt leisten die Muskelfasern der Gebärmutter aktive Kontraktionsarbeit, Gebärmutterhals und Muttermund werden passiv gedehnt, geben dabei langsam nach und öffnen sich. Der Beckenboden, der bei uns Menschen die Aufgabe hat, die inneren Organe in der aufrechten Haltung an ihrem Platz zu halten, muss nun so weit gedehnt werden, dass das Kind geboren werden kann. Wenn der Muttermund auf zehn Zentimeter aufgedehnt ist, kann das Kind hindurch schlüpfen.

Mit Glückshormonen die Geburt überstehen

Der Körper der Frau wird automatisch auf die Schmerzen unter der Geburt vorbereitet. Er schüttet zunächst das Hormon Oxytocin aus, das dafür sorgt, dass sich die Gebärmutter zusammenzieht und die Geburt eingeleitet wird. Oxytocin ist gleichzeitig auch ein Glückshormon, das dafür sorgt, dass die Schmerzen gut überstanden werden, in dem es Endorphine freisetzt. Die Endorphine können am Ende der Eröffnungsphase auch eine  Art Trancezustand bei Frauen ausüben, so dass sie ungeahnte Fähigkeiten entwickeln und noch mal einen Kraftschub bekommen.

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„Die Geburt ist ein ganz besonders intensives Erlebnis, und jede Frau sollte sie so positiv wie möglich erleben können“, erklärt Schmid. Deshalb ist es wichtig, dass die Schwangere möglichst angstfrei und unbeschwert in die Geburt geht. „Angst führt zu Anspannung, Anspannung führt zu Schmerzen, und Schmerzen führen wiederum zu Angst“, so Schmid. Stresshormone hemmen die Glückshormone. Bei Entspannung haben dagegen Stresshormone keine Chance. Um die Wehen so entspannt wie möglich zu verarbeiten, hilft alles, was die Frau wohltuend empfindet: vertraute Personen wie Partner oder Partnerin,  eine gute Freundin, Massagen, Musik, Bewegung. Viele hilfreiche Maßnahmen werden im Geburtsvorbereitungskurs besprochen und geübt.

Hinterher ist alles vergessen

Schmerzen signalisieren dem Körper immer „Achtung, hier passiert etwas!“. So ist es auch bei der Geburt und spätestens, wenn die Mutter das Kind auf dem Arm hält, wird klar, dass dort gerade eine Menge passiert ist. Meistens stellt sich sofort ein Glücksgefühl ein, das vergleichbar mit einem überstandenen Marathonlauf ist.

Die Erinnerung an die Strapazen und Schmerzen werden durch einen enormen Schub von Glückshormenen zumindest teilweise gelöscht. Bei manchen Frauen dauert dieser Vergessensschub einige Tage, auch das ist normal. Sollte allerdings auch über die Wochenbettzeit hinaus die Erinnerung an Schmerz und Angst überwiegen, sollte sich die Frau nicht scheuen, ihre Hebamme  oder  ihren  Frauenart oder -ärztin zu Rate zu ziehen.

Tipps & Wissenswertes in Kürze

Akupunktur & HYPNOSE

Die Akupunktur kann schon im Rahmen der Geburtsvorbereitung, ab der 36. Schwanger­schaftswoche,  angewandt werden. Hierdurch lassen sich Ängste mindern und die Frau findet leichter in eine Entspannung. Akupunktur während der Geburt kann dann ganz gezielt Schmerzen lindern. Allerdings ist die Bewegungs­freiheit durch die Nadeln vorübergehend eingeschränkt.

Hypnose Auch durch Hypnose kann der Geburts­schmerz verringert und der Geburtsvorgang beschleunigt werden. Frauen, die sich gut auf Hypnose einlassen können, erreichen einen narkoseähnlichen Zustand, der einer Tiefen­ent­-
spannung gleicht. Vor der Geburt sollte die Technik durch eine Hypnose-Spezialistin in einigen Sitzungen ausprobiert werden. Außer­dem muss berücksichtigt werden, dass der oder die Expertin dann bei der Geburt auch anwesend sein sollte oder der Partner entsprechend geschult werden muss. Die abge­schwäch­tere Variante ist das HypnoBirthing, bei dem die Schwangere die Techniken in einem Kurs erlernt und dann selbst unter der Geburt anwenden kann und sich in eine Art Trance versetzt.

Massage

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Massage ist ein altbewährtes Mittel zur Entspannung und Schmerzlinderung. Je stärker der Muskel angespannt ist, desto stärker werden die Schmerzen empfunden. Massagegriffe und Entspannungsmassagen können schon während der Schwangerschaft Beschwerden lindern, aber auch bei der Geburt als Hilfestellung dienen. So helfen beispielsweise Druckmassagen des Kreuzbeines und sanfte Massagen des Bauches. Es gibt jedoch Frauen, die unter der Geburt oder während der Wehen nicht berührt werden möchten.

Kräuter & Homöopathie

Einige homöopathische Mittel wirken positiv bei Schmerzen und Unwohlsein. Diese können bei der Geburt eingesetzt werden, ohne dass schädliche Nebenwirkungen auftreten. Da es jedoch eine Vielzahl an homöopathischen Mitteln gibt, ist es sinnvoll, sich von einer homöopathisch geschulten Hebamme beraten zu lassen. Häufig wird zur Geburtsvorbereitung Frauenmantel, Pulsatilla, Gelsemium oder Belladonna verabreicht. Auch Bachblüten-Essenzen können einge­setzt werden, um die vitale Kraft der Ge­bären­den zu stärken oder die Entspannung zu unterstützen.

Kräuter werden in erster Linie geburtsvorbereitend als Tee angeboten. So dient Kamille zur Beruhigung und Schmerzlinderung, Jasmin, Lavendel und Zitronenmelisse zur Entspannung. Himbeerblätter sollen helfen, die Wehen anzuregen und die Uterusmuskulatur zu aktivieren.

Weitere Methoden

Wärmepackungen oder Wannenbäder entspannen den Körper und die Muskulatur ebenfalls. Als angenehm werden auch Lockerungsübungen für Arme und Beine zwischen den Wehen empfunden. Die Frau kann dabei aktiv etwas für ihre Entspannung tun. Aktiv können die Frauen auch selbst verschiedene Geburtspositionen ausprobieren, in der Rückenlage, in der Hocke, am Seil oder kniend. Bei all diesen Bewegungen und Positionen kann der Partner oder die Partnerin unterstützen.

 

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Tiefe Atmung reduziert den Schmerz. Für eine Entspannung sorgt eine tiefe Einatmung und langsames Ausatmen. Die Atemluft sollte langsam durch die leicht geöffneten Lippen ausströmen. Wenn der Schmerz stärker wird, kann das Ausatmen durch A-, O- oder U-Töne unterstützt werden.