Manchmal lohnt es sich, die Schule zu verlassen. Exkursionen zu interessanten Orten bleiben deutlich länger im Gedächtnis haften als eine reguläre Unterrichtsstunde. Gerade in und um die Landeshauptstadt ist das Angebot an solchen Lernorten üppig. Es richtet sich teilweise nicht nur an Schulklassen, sondern auch an private Besucher und Besucherinnen.

Haus der Geschichte Baden-Württemberg

© Haus der Geschichte

Jetzt, wo die Tage kalt sind, sind viele Familien dankbar für Indoor-Aktivitäten. Nur wenige haben vermutlich auf dem Schirm, dass auch das Haus der Geschichte Baden-Württemberg ein Angebot für kleine Besucher im Grundschulalter hat. Diese können sich für einen Unkostenbeitrag von zwei Euro auf die Suche nach den Geschichtssammelnden machen, die entführt wurden. Ausgestattet mit einem Spezialgürtel und Missionsblock machen sie sich im Museum auf die Suche nach sachdienlichen Hinweisen und können danach sogar am Computer weiterspielen.

Ansonsten ist das Haus der Geschichte ein interaktiver Lernort, der nicht nur Schulklassen ein umfassendes Angebot an Workshops und Themenführungen bietet. Beliebt ist beispielsweise der Workshop „Rassismus in Geschichte und Gegenwart“. Wie auch bei anderen Formaten im Haus der Geschichte geht es längst nicht nur um historische Gegebenheiten. Der Lebensweltbezug spielt eine wichtige Rolle. So zum Beispiel auch im Workshop „Menschen im Nationalsozialismus“, der unter anderem Zivilcourage in der Gegenwart thematisiert.

In Absprache mit Partnerschulen entstehen manchmal noch ganz andere Formate. So entwickelten Lernende des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums einen Podcast über Stauffenberg, eine andere Klasse des Hölderlin-Gymnasiums sogar eine eigene Sonderausstellung, die feierlich vor Ort eröffnet wurde.

hdgbw.de/geschichte-vermittlung-museum/

Lernort Bauernhof

Lernorte auf dem Bauernhof leisten einen wichtigen Beitrag zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Durch praxisnahe Angebote werden Verantwortungsbewusstsein, Handlungskompetenz sowie Transparenz landwirtschaftlicher Prozesse gefördert. Teilnehmende erhalten Einblicke in die Entstehung von Lebensmitteln und lernen ökologische und ökonomische Zusammenhänge kennen.

Zudem ermöglichen sie Lernen in und mit der Natur und leisten einen wichtigen Beitrag zur Verbraucherbildung, indem der Wert von Lebensmitteln und das eigene Konsumverhalten reflektiert werden. Authentische Tätigkeiten und unmittelbare Begegnungen mit Mensch, Tier und Natur machen den Bauernhof zu einem besonders sinnhaften außerschulischen Lernort – gerade in einer zunehmend digitalisierten Lebenswelt.

lob-bw.de

Pädagogische Angebote der EnBW

Woher kommt eigentlich unser Trinkwasser? Wie wird es gereinigt und an die Haushalte verteilt? Und wie kostbar ist Wasser? Wer sich für solche grundsätzlichen, alltäglichen Fragen interessiert, kann sie im Rahmen einer Gruppenführung im Wasserwerk der EnBW in Münster aufklären. Dort werden primär Grundschulklassen empfangen, jedoch funktioniert die Führung auch mit Schulkindern bis zur Mittelstufe gut. Sie wechselt zwischen vorgetragenen und interaktiven Passagen. Schließlich wird das Filtersystem auch von den Teilnehmenden erprobt.

Generell bietet die EnBW ein großes Repertoire an Schülerführungen. Im Angebot sind Kraftwerksbesichtigungen wie das Restmüllheizkraftwerk in Münster, der Windpark Goldboden-Winterbach oder der Solarpark in Bruchsal. Manche Führungen erfordern ein Mindestalter von 14 Jahren.

enbw.com/unternehmen/themen/ kraftwerksbesichtigungen/

Globales Klassenzimmer

Das Globale Klassenzimmer im Welthaus in Stuttgart ist ein außerschulischer Lernort, der seinen Gästen die ganze Welt in ihrer kulturellen Vielfalt eröffnet und gleichzeitig Handlungsalternativen für die Eine Welt zeigt. Es bietet Workshops für alle Altersklassen und Schulformen an. Von der frühkindlichen Bildung bis hin zur Erwachsenenbildung stehen qualifizierte Referentinnen- und Referenten zur Verfügung.

Die Angebote werden je nach Thema, Zielgruppe oder auch in Bezug auf den Lehrplan konzipiert. Dabei werden globale Zusammenhänge unter die Lupe genommen und mit den Lernenden überlegt, welche Rolle und Verantwortung Konsumentinnen und Konsumenten in dieser Weltgesellschaft haben. Unter anderem werden dabei folgende Fragestellungen betrachtet: „Welchen Weg hat meine Jeans zurückgelegt? Was ist Coltan und was hat das mit meinem Handy zu tun? Wie meistern Kinder ihren Alltag in Kriegsgebieten? Das Globale Klassenzimmer ist ein gemeinsames Projekt des WeltHaus Stuttgart e.V., des Entwicklungspädagogischen Informationszentrums (EPiZ) Reutlingen und der Außenstelle der Engagement Global.

welthaus-stuttgart.de/unser-konzept/globalesklassenzimmer

Wilhelmaschule

© Wilhelma Stuttgart

Ein thematisch anderes, aber nicht weniger interessantes Angebot bietet die Wilhelmaschule. „Wir haben bei uns pro Jahr über 500 Führungen für Schulklassen und Kindergärten. Hinzu kommen noch um die 300 Führungen für Kindergeburtstage, außerdem immer mal wieder Sonderführungen wie Lehrerfortbildungen“, betont Birger Meierjohann, Pressesprecher der Wilhelma. Der Zoo bietet Kindergärten, Schulklassen und auch anderen Gruppen faszinierende Einblicke in zoologische, botanische und ökologische Themen. Dass Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) dabei als zentraler Leitgedanke im Fokus steht, wurde im November durch die Verleihung des BNE-Zertifikats durch die Umweltministerin Thekla Walker und Kultus-Staatssekretärin Sandra Boser honoriert.

Leitung und Team der Wilhelmaschule bestehen aus Biologinnen und Biologen sowie aus Fachkräften mit biologischem und pädagogischem Schulabschluss. Auf der Homepage findet man nicht nur ein sehr breites Angebot an Themenführungen, sondern auch Arbeitsmaterial, mit dem man den Rundgang selbst gestalten kann. Konkrete Bildungsplanbezüge werden angegeben.

wilhelma.de/wilhelmaschule

Angebot des Infoturms Stuttgart (S-21-Baustelle)

© ITS Arnim Kilgus

Der Alltag der Stuttgarter ist durch Baustellen geprägt. Wenn Schulklassen die aktuell prominenteste Dauerbaustelle besuchen wollen, ermöglicht das Team vom Infoturm Stuttgart für einen Unkostenbeitrag von zwei Euro pro Schüler Schulklassen spektakuläre und umfassende Eindrücke. Bauingenieure führen zunächst durch den Infoturm, schließlich auch durch die Baustelle selbst. Die Baustellenführungen mit Helm und Schutzkleidung sind ab einem Alter von 14 Jahren möglich.

its-projekt.de

Junges Ensemble Stuttgart - JES

© JES Ronny Schönebaum

Auch Theaterinteressierte sind in der Landeshauptstadt prima aufgehoben. Jenseits der Theatervermittlung am Staatstheater, die neben Workshops zu Inszenierungen auch niederschwellig Blicke hinter die Kulissen ermöglicht, bietet das Kinder- und Jugendtheater der Stadt Stuttgart sehr vielseitige Formate an. Für das Stück „All das Schöne“ erhielt Frederic Lilje 2024 in der Kategorie „Inszenierung Theater für junges Publikum“ verdientermaßen den FAUST – Theaterpreis.

Ein Besuch dieses Stückes lohnt sich nicht nur deshalb, weil Teenagern bewusst wird, dass Theater auch interaktiv und anders sein kann, sondern auch darum, weil der Umgang mit depressiven Erkrankungen im Fokus steht, der zunehmend eine wichtige Rolle im Leben junger Leute spielt.

Besonders empfehlenswert ist zudem die mobile Produktion mit dem Titel „F*** you, Woyzeck“, die sich für Schülergruppen ab Klasse 9 eignet. Gespielt wird im Klassenzimmer. Es hilft beim Verständnis, wenn der „Woyzeck“ im Groben bekannt ist. Letztlich dient das Drama jedoch nur als Aufhänger für ein vielschichtiges Stück zu Femiziden, in dem auch viel allgemeine Aufklärung über die Problematik erfolgt. Etwas aus dem übrigen Programm fällt der Workshop zum „Priviliegien-Check“, den das JES ab Klasse 8 anbietet. Im Fokus desselben steht die Demokratiebildung und das Bewusstsein für die eigenen Privilegien.

Das JES bietet stückbezogene Vor- und Nachbereitungen zu den Inszenierungen an, die kostenlos und in Verbindung zum jeweiligen Stückbesuch angefragt werden können. In den Spielclubs wird mit den jungen Menschen über die ganze Spielzeit hinweg ein eigenes Theaterstück entwickelt. Beim „Theaterspielplatz“ für Kinder im Alter von sechs bis acht Jahren besteht die Möglichkeit, sich ohne längere Verpflichtung beim Spielen auszuprobieren.

jes-stuttgart.de/schule-kitas

Pädagogische Angebote der Uni Stuttgart

Gerade die, die sich für technische Themen interessieren, werden auch an der Uni Stuttgart fündig. Diese bietet unter anderem Materialien für Lehrer und Lehrerinnen zum Umgang mit KI an. Grundschulklassen können in das Schülerlabor Elektround Informationstechnik kommen, um dort einen Workshop zur Energieerzeugung zu besuchen. Es wird Strom erzeugt, Strom verbraucht, etwas über den Strom in unserer Steckdose in Erfahrung gebracht. Jedes Kind darf sich ein Bild mit einer Batterie, Leiterbahnen und mehreren LEDs gestalten.

CAMMP (Computational And Mathematical Modeling Program) ist ein Projekt, bei dem Lernende verschiedener Altersstufen und Lehrkräfte in Halb- oder Tagesworkshops aktiv in das Lösen realer, relevanter Probleme mithilfe mathematischer Modellierung und Computereinsatz einsteigen.

Die Probleme stammen aus dem Alltag der Jugendlichen. Mit CAMMP wird die gesellschaftliche Bedeutung von (Schul-)Mathematik und Simulationswissenschaften erfahrbar. Im Fehling-Lab experimentieren Lernende der höheren Grundschulklassen oder der unteren Klassen der weiterführenden Schule. Dabei lernen sie auch, wie sie sich in einem echten Labor verhalten müssen, damit nichts passiert. Ausgerüstet mit Labormantel und Schutzbrille experimentieren sie mit ihren Betreuerinnen oder Betreuern den ganzen Vormittag. Jedes Kind macht Experimente zu drei Themenbereichen im Farb-Labor, Riech-Labor und Strom-Labor.

uni-stuttgart.de/universitaet/fueralle/uniundschule

fehling-lab.de/schulerlabor/