Sonnensorgen - Cool bleiben an heißen Tagen

Liest man manche Berichte über die Gefahren von zu vielen Sonnenstrahlen, bekommt man es mit der Angst zu tun. Sonnenbrand, Hitzeschlag, erhöhtes Hautkrebsrisiko können die Folgen sein. Wer im Sommer draußen unterwegs ist, sollte sich schützen. Denn selbst Wolken können die UV-Strahlung nicht aufhalten. Und wie überlebt man den Sommer in der aufgeheizten Stadt, wenn das Thermometer wieder tagelang die 30 Grad-Marke knackt, wie im vergangenen Hitzesommer?

Wissenschaftliche Studien haben bewiesen: Besonders Sonnenbrände in der frühen Kindheit erhöhen eindeutig das Hautkrebsrisiko. Verbringt man seine ersten „Sonnenjahre“ ungeschützt, hilft auch das jahrelange Eincremen danach nicht mehr, um dieses Risiko zu vermindern. Auch die Augen leiden in der prallen Sonne, wenn man ohne Sonnenbrille oder Schirmmütze unterwegs ist.

Manche Eltern sind sehr vorsichtig. Sie cremen ihre Kinder, wenn sich diese draußen aufhalten, alle paar Stunden ein, haben einen beachtenswerten Vorrat an Kopfbedeckungen in der Tasche und erinnern ihre Kinder an das häufige Trinken. Das kann alle Beteiligten stressen, hört sich aber erst einmal vernünftig an. Es gibt auch die weniger gut Ausgestatteten. Diese werden nicht von der Sonnenpanik geplagt, sind aber eventuell in ihrer Haltung zu locker. Dann gibt es noch Vitamin D-Jäger, die vor Sorge, nicht genug davon zu tanken, auf Sonnencreme für sich und ihre Kinder weitestgehend verzichten.

Die goldene Mitte

Wir haben uns über den Umgang mit der Sonne mit Dr. Tobias Bischof, Kinderarzt am Gesundheitsamt Stuttgart und Stellvertretender Fachgebietsleiter für Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen, unterhalten. Er betont: „Wichtig finde ich die Verhältnismäßigkeit. Wenn Eltern ihre Kinder hermetisch vor jedem Sonnenstrahl abschirmen, besteht die Gefahr eines Mangels an Vitamin D. Wenn die Eltern aber aus Angst vor einem angeblich weit verbreitetem Vitamin D-Mangel das Kind stundenlang der prallen Sonne aussetzen, überwiegen bei Weitem die Nachteile wie Hitzschlag, Sonnenstich, Hautalterung und erhöhtes Hautkrebsrisiko“. Eltern sollten also nicht dogmatisch werden. Er rät: „Im Winter die Sonne nutzen und im Sommer sich und die Kinder vor der prallen Sonne schützen.“

Die Vitamin D-Faustregel

Kinder bis zum Vorschulalter sollten zwischen 11 und 15 Uhr die pralle Sonne meiden und Babys dürfen nie direkt der Sonne ausgesetzt werden, weil ihre Haut sehr empfindlich ist und die Wärmeregulation noch nicht ausreichend funktioniert. Deswegen bekommen sie auch in den ersten Jahren die Vitamin D-Prophylaxe. „Später, wenn das Kind abwechslungsreich ernährt wird und immer mal wieder etwas in der Sonne ist, reicht das in der Regel bei einem gesunden Kind aus, um den Vitamin D-Bedarf zu decken. Eine Sonneneinwirkung auf eine Hautfläche so groß wie Unterarme, Hände und Gesicht, etwa zehn bis 15 Minuten, an zwei bis drei Tagen in der Woche, genügt, erklärt Bischof. Diese Werte variieren je nach Hauttyp, Tageszeit oder Bewölkung. Hellere Hauttypen, die schnell auf Sonne und Hitze reagieren, könnten eher am Nachmittag oder gegen Abend in die Sonne gehen. Dabei sollten Eltern immer abwägen, was den größeren Nutzen hat, sagt Bischof. Übrigens: Auch Sonnencremes mit hohem Lichtschutzfaktor können nicht ganz verhindern, dass Vitamin D getankt wird.

Wie viel Sonnenzeit?

Die Sonnenschutzmittel verlängern die Dauer, welche die Haut ohne Rötung in der Sonne übersteht. Menschen mit einer sehr hellen Haut gehören zur Gruppe mit dem empfindlichsten Hauttyp 1, erklären Experten. Die Eigenschutzzeit ihrer Haut beträgt etwa zehn Minuten. Cremen Sie sich mit einer Creme, die mit dem Lichtschutzfaktor (LSF) 20 gekennzeichnet ist, ein, könnten sie theoretisch 200 Minuten (also 10 Minuten x 20) in die Sonne, ohne sich zu verbrennen. Australische Forscher haben bewiesen, dass in der Praxis der angegebene Lichtschutzfaktor aber nur selten erreicht wird, da meist nicht die notwendige Menge aufgetragen wird. Allein das Gesicht braucht einen Teelöffel Sonnenmilch. Deswegen sollte man diese theoretische Zeit nur bis zu 60 Prozent ausschöpfen – also 60 Prozent von 200 Minuten sind 120 Minuten, danach sollte man nachcremen oder aus der Sonne gehen.

Manche Sonnencremes stehen im Verdacht, selber krebserregend zu sein, da sie Chemikalien und Nanopartikel enthalten. „Wenn eine Creme zugelassen ist, ist sie akut nicht gefährlich“, beruhigt Bischof. Man sollte lieber eine Creme wählen, die man gut verträgt und sich durch durchgeführte Tests informieren. Wegen einer Creme Krebs zu bekommen, sei eher unwahrscheinlich, meint der Kinderarzt. Das Risiko durch ungeschützte Haut sei höher. Allerdings sei auch zu beachten, dass das ständige Nachcremen zwar zu empfehlen sei, aber eine Sonnenpause die bessere „Schutzalternative“ ist.

Hitzschlag

Kommt diese Pause zu spät, könnten Kinder Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, einen steifen Nacken, Nackenschmerzen, Fieber, Schwindel oder sogar Bewusstseinsstörungen bekommen. Das sind die Symptome eines Hitzeschlags, so Bischof. Treten sie auf, sollte man das Kind sofort in den Schatten holen, seine Beine hochlegen, den Kopf hochlagern, enge Kleidung lockern und etwas zu Trinken anbieten. „Nicht alleine lassen und in schlimmen Fällen zum Arzt oder sogar den Notarzt rufen“, mahnt der Kinderarzt.

Hat die Haut einen Sonnenbrand bekommen, sollte man kühlen. „Zum Beispiel mit Wasser oder feuchten Umschlägen“, erklärt Bischof, „eventuell auch mit einem Quark-Umschlag, aber ansonsten keine „Hausmittelchen“, die die geschädigte Haut eher noch reizen können.“ Das Kind sollte sich im Schatten oder im Haus aufhalten. Am besten sei es, in den nächsten zwei Wochen die Haut nicht mehr starker Sonnenstrahlung auszusetzen, egal ob eingecremt oder nicht.

Sonnen- und Hitze-Checkliste für heiße Sommertage

Schattige Plätze aufsuchen: Für Babys (oder ältere Menschen) unverzichtbar – Bäume, Sonnenschirme, Sonnensegel.

Den Kopf kühlen: Eine Sonnenmütze oder Tuch mit Schirm und Nackenschutz benutzen. Gesicht, Nacken und Ohren sind besonders empfindlich.

Augen schützen: Je mehr man sich im Freien, vor allem im Gebirge und am Meer, aufhält, desto mehr ist das Auge der UV-Strahlung ausgesetzt. Die Sonnenbrille sollte an das Gesicht angepasst sein, weder Wimpern noch Wangen berühren und an den Seiten möglichst kein Licht herein lassen. Kinderbrillen müssen einen besonders starken UV-Filter, wie zum Beispiel UV-400, haben und das „CE“-Zeichen haben, das entspricht dem UV-Schutz der EU-Norm. Aufkleber, die 100-prozentigen UV-Schutz versprechen, reichen nicht aus.

Sonnengerechte Kleidung: Weite, luftige Kleidung, die zum Schutz vor der Sonne möglichst viel vom Körper bedeckt: langärmelige Hemden oder T-Shirts, weit geschnittene, möglichst lange Hosen, Kleidung mit UV-Schutz.

Schuhe: Schuhe, die den Fuß – auch die Ferse und den Fußrücken – weitgehend bedecken.

Eincremen: Für Erwachsene mindestens LSF 20 verwenden, für Kinder mindestens LSF 30, möglichst eine halbe Stunde vor dem Sonnenbad ausgiebig auftragen. Die Creme soll sowohl gegen UV-B- als auch gegen UV-A-Strahlen wirken, dabei könnte man Produkttests beachten. Alle unbedeckten Körperstellen mit Kinder-Sonnenschutzmittel einreiben. Bei längerem Verweilen in der Sonne wiederholen. Wasser intensiviert die Sonnenstrahlung. Am Wasser wasserfeste Mittel verwenden und nach jedem Baden erneut auftragen.

UV-Index beachten: Auch bei Wolken dringt die UV-Strahlung bis auf die Haut durch. Deshalb wurde der sogenannte UV-Index eingeführt. Bis zu einem UV-Index 2 ist kein besonderer Sonnenschutz erforderlich. Darüber hinaus gilt: Je höher der Indexwert ist, umso mehr Schutz ist erforderlich.

Essen und Trinken: Viel Wasser, Mineralwasser, Kräuter- und Früchtetees, verdünnte Säfte trinken. Diese sorgen für den Flüssigkeitsausgleich und für Mineralstoffe und Elektrolyte. Leichte, gut verdauliche Speisen wie Salat, Nudeln, gekochte Kartoffeln, wasserreiches Gemüse und Obst sorgen für Energie und Mineralstoffe, schonen den Körper und den Kreislauf und fördern das Wohlbefinden.

Duschen und Schlafen: Lauwarm duschen, leichte Kleidung und Decken benutzen. Über Nacht oder früh am Morgen lüften, tagsüber die Räume mit Vorhängen oder besser Rollläden beschatten. Zur Not für ein paar Wochen in ein etwas kühleres Zimmer umziehen, falls vorhanden. Wenn die Temperatur in den Innenräumen zu stark reduziert wird, kann der Gang nach draußen zum Gesundheitsrisiko werden. Der Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen sollte nicht mehr als sechs Grad betragen.

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