Corona-Virus

Alles Corona oder was? - Begriffserklärung & Co.

Ein Überblick zu den unterschiedlichen Begrifflichkeiten der Coronaviren ihre Entstehungsgeschichte, Verbreitung und Umgang mit der Epidemie in unserer Gesellschaft

Coronaviren sind keinesfalls neu und sie existieren auf der Erde und auch in unserem Umfeld in unterschiedlichen Formen schon seit vielen Jahren. Sie wurden in den 1960er-Jahren entdeckt und infizieren vorwiegend Säugetiere, Nager und Vögel – nur wenige haben sich auf den Menschen übertragen und angepasst, dafür aber umso stärker verbreitet. Man schätzt, dass heute etwa ein Drittel aller typischen Erkältungen bei Menschen durch Coronaviren ausgelöst werden. Drei Viren dieser Familie haben bereits viele Todesfälle verursacht: SARS-COV-1, MERS-COV und das aktuelle SARS-COV-2.

Bereits in den Jahren 2002/2003 sorgte ein Coronavirus für eine weltweite Pandemie. „SARS-COV-1“ verursachte etwa 1.000 Todesfälle. SARS heißt „Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom“ und beschreibt den Krankheitsverlauf, der mit Fieber, Hals, Kopf, Muskelschmerzen, Schüttelfrost sowie Schwindelgefühl beginnt und in einer schweren Lungenentzündung samt Atemnot und starkem Husten endet. SARS-COV-1 war schnell durch Fiebermessungen zu diagnostizieren und hat uns höchstwahrscheinlich nur durch einen glücklichen Zufall nicht betroffen. Erkenntnisse deuten darauf hin, dass ihm ein wichtiger Bestandteil im Erbgut fehlte, es irgendwann instabil wurde und sich quasi allein eindämmte.

Wenig bekannt ist mit dem „MERS-COV“ ein weiteres Coronavirus, das 2012 für viele Infektionen im Mittleren Osten sorgte. Es wird von Kamelen übertragen und ist von einer sehr hohen Todesrate gekennzeichnet. Hier folgen auf schwere Atemwegsinfektionen oft Nierenversagen. Das Virus scheint ein lokales Problem geblieben zu sein, existiert aber wie viele weitere Coronaviren bis heute.

SARS-COV-2“ ist der Name des Ende 2019 erstmals entdeckten, neuen Coronavirus. Wie die zuvor bekannten Coronaviren befällt es die Atemwege, besitzt aber andere genetische Eigenschaften. Ein entscheidender Parameter ist, dass es ohne sofortige Auswirkungen und Symptome über 14 Tage hinweg von einem infizierten Menschen verbreitet werden kann. Diese Eigenschaft macht das Virus für uns Menschen so gefährlich. SARS-COV-2 ist gleichbedeutend mit „2019-nCOV“ – die Lungenkrankheit, die das Virus auslösen kann, wird wiederum „CODIV-19“ genannt. Zur Vereinheitlichung sprechen wir in diesem Spezial immer von SARS-COV-2, wenn vom neuartigen, 2019 entdeckten Coronavirus die Rede ist.

Das Coronavirus SARS-COV-2

Das neuartige Coronavirus SARS-COV-2 befällt – wie andere Coronaviren auch – die Atemwege. Eine Infektion kann zu Krankheitszeichen wie Husten, Schnupfen, Halskratzen und Fieber, manchmal auch Durchfall, führen. Die Infektion ist für die meisten Menschen, einschließlich Kinder, nicht lebensbedrohlich. Bei einem Teil der Betroffenen kann das Virus zu einem schwereren Verlauf mit Atemproblemen und zu Lungenentzündung führen. Todesfälle traten bisher vor allem bei Patienten auf, die älter waren und bzw. oder zuvor an chronischen Grunderkrankungen litten. Für eine abschließende Beurteilung der Schwere der neuen Atemwegserkrankung liegen noch nicht genügend Daten vor.

Man geht derzeit davon aus, dass etwa 80 Prozent der infizierten Menschen kaum oder keine Symptome zeigen. Etwa 20 Prozent der Infizierten weisen Krankheitsverläufe auf, von denen wiederum etwa 6  Prozent als schwere Krankheitsverläufe eingestuft werden. Die globale Statistikseite www.worldometer.info, die viele globale Entwicklungen und Zustände in Zahlen misst, führt auch zur Betroffenheit der Menschheit vom neuartigen Coronavirus Statistiken. Sie sind auf der Startseite über einen Menüpunkt in der Kopfleiste direkt verlinkt. Hier findet man auch Zahlen zu Erkrankungen und Todesfällen nach Alter und Geschlecht, die einen Eindruck von der eigenen Betroffenheit geben können. Durch die starke Verbreitung ändern sich diese Zahlen derzeit stündlich, was aber die Verteilung anbelangt, sind sie recht stabil. Zum Redaktionsschluss Mitte März 2020 waren sie wie folgt ausgewiesen:

Tabelle Alter
Quelle: www.worldometers.info/coronavirus/

Eine weitere Statistik belegt den Einfluss von Vorerkrankungen:

Tabelle Vorerkrankungen
Quelle: www.worldometers.info/coronavirus/

Zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses (Mitte März) wurden weltweit bereits rund 220.000 Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus bei knapp 9.000 Todesfällen und rund 86.000 Heilungen aufgeführt. Da die Kurve sich weltweit im exponentiellen Wachstum befindet, werden die absoluten Zahlen sicher deutlich zunehmen. Anhand der bereits jetzt hohen Fallzahlen dürfte die prozentuale Verteilung die Betroffenheit der Risikogruppen bereits sehr gut abbilden – zu ihnen zählen insbesondere Menschen ab 60 Jahren und Menschen mit Vorerkrankungen im Bereich Herz sowie Atemwegen bzw. einem geschwächten Immunsystem z.B. durch Krebs und Diabetes.

Die Zahlen belegen aber ebenso, dass Kleinkinder bis 9 Jahre nach aktuellem Wissensstand kaum oder gar nicht an dem Virus erkranken, die Gefährdung größerer Kinder und Jugendlicher ohne Vorerkrankungen und mit intaktem Immunsystem ebenso sehr niedrig anzusetzen ist. Bei Eltern ist Angst und Panik um die Kinder also nicht angebracht, die saisonale Grippe mit dem Influenza-Virus, die jährlich für weltweit bis zu 650.000 Todesfälle sorgt, sollte Eltern hier sogar mehr Sorgen bereiten – dazu folgen später Hinweis für die richtige Hygiene und ein gutes Immunsystem.

Was macht SARS-COV-2 so gefährlich?

Díe Fakten verdeutlichen, dass Familien sich weniger Sorgen um ihre Kinder, als vielmehr um die älteren bzw. geschwächten Familienmitglieder machen müssen. SARS-COV-2 ist in seinem Krankheitsverlauf nicht gefährlicher als andere Viren auch, die Todesrate liegt bei Influenza oder dem Coronavirus SARS-COV-1 aus den Jahren 2002/2003 ähnlich. Aber ein Parameter unterscheidet das neuartige Virus von allen anderen. Es sind die 14 Tage nach einer Ansteckung, die ein infizierter Mensch ohne oder zumindest ohne ernsthafte Krankheitsanzeichen andere Menschen anstecken und das Virus verbreiten kann, ohne die eigene Betroffenheit zu erkennen.

Diagramm
Quelle: World Health Organisation, *basierend auf der WHO-Schätzung 1,4 bis 2,5 (März 2020)

Ein zweiter Parameter ist die Basisreproduktionsziffer R0, sie besagt, wie viele weitere Personen eine mit dem Virus angesteckte Person infiziert. Virologen gehen beim SARS-COV-2 derzeit von einer Durchschnittszahl von etwa drei aus, das heißt, ein Infizierter steckt drei weitere Menschen an. Das ist am Ende triviale Mathematik – auch wenn dieses Stoffgebiet bei den wenigstens beliebt war – kann man sich die mögliche Verbreitung als Exponentialfunktion mit einer kubischen Funktion verbildlichen. Schaut man sich die bisherige weltweite Verbreitung des Virus in einem Graph an, entspricht das in etwa dieser Funktion. Genau hier ist gut zu erkennen, warum das Virus bei einer weiteren ungebremsten Verteilung zu einer enormen Gefahr für die Gesellschaft werden kann. Zum Redaktionsschluss wurden in Deutschland insgesamt knapp 10.000 bestätigte Coronafälle gezählt, bei täglich mehr als 1.000 hinzukommenden Fällen. Unterstellt man die weitere Verbreitung ohne Einschränkungen, wären fünf Zyklen vorausgedacht knapp 2.5 Mio. Menschen infiziert, davon knapp 500.000 Menschen erkrankt, etwa 30.000 Menschen mit schwerwiegendem bis tödlichen Verlauf. Damit wäre unser Gesundheitssystem, das über 28.000 Intensivbetten für alle Formen ernsthafter Erkrankungen verfügt, nachvollziehbar überlastet. Zumal sich die Corona-Ausbreitung nicht gleichmäßig über ganz Deutschland verteilt, sondern regional für stark unterschiedliche Infektionszahlen sorgt. Aus diesem Grund ist das Bestreben aller Maßnahmen, die Basisreproduktionsziffer durch künstliche Schutzmaßnahmen nach unten zu drücken. Das wird derzeit in Deutschland vor allem durch die Vermeidung sozialer Kontakte umgesetzt.

Diagramm Zeit

Diese Grafik dürfte aus unzähligen Medienberichten bekannt sein. Sie zeigt die Anzahl der Kapazitäten des Gesundheitssystems an Intensivbetten im Vergleich zur erwarteten Anzahl schwerer Krankheitsverläufe. Nur durch eine Verringerung der Ausbreitungsgeschwindigkeit kann gewährleistet werden, dass alle schwer erkrankten Menschen medizinische Hilfe erhalten. (Grafik: Bundesregierung)

Die Grafik macht deutlich, warum die Ausbreitung des Virus verlangsamt werden muss. Gerade für Eltern und Kinder, die unmittelbar kaum betroffen sind, stellen die Einschränkungen einen großen solidarischen Akt mit älteren und geschwächten Menschen in unserer Gesellschaft da. Mehr Abstand zu anderen Menschen ist aktuell die beste Fürsorge für die Risikogruppen. Familien sollten hier vor allem ihre eigenen Großeltern schützen. Kinder, Jugendliche und Eltern können das Virus auch ohne Empfinden einer eigenen Erkrankung weitergeben – die Übertragungswege werden aufgrund zunehmender Fallzahlen immer schwerer nachvollziehbar.

Entstehung und Verbreitung von SARS-COV-2

Coronaviren befallen in der Regel Säugetiere, Nager und Vögel. In seltenen Fällen gelingt es ihnen, meist über einen Zwischenwirt, auf den Menschen überzuspringen und sich anzupassen. So gibt es das Coronavirus MERS-COV im Mittleren Osten, das vom Kamel auf den Menschen übertragen werden kann, ebenso Todesfälle verursacht, aber bislang ein lokales Phänomen geblieben ist.

Bei SARS-COV-2 gehen Wissenschaftler davon aus, dass es durch Fledermäuse übertragen wurde. Als Ausgangspunkt wird ein Markt in der Millionenstadt Wuhan in China vermutet. Die ersten Erkrankungen traten dort Ende Dezember 2019 auf, im Januar entwickelte sich das Virus in China zur Epidemie mit einer Ausbreitung in verschiedenen Regionen des Landes. Durch den globalisierten Reise- und Wirtschaftsmarkt mit intensiven Austauschbeziehungen im Flugverkehr verbreitete sich das Virus schließlich weltweit. Zum Redaktionsschluss verzeichnete die Weltkarte der WHO bereits 165 Länder mit bestätigten SARS-COV-2-Infektionen.

Von der Epidemie zur Pandemie

Während eine Epidemie den Ausbruch eine Krankheit in einem begrenzten Verbreitungsgebiet beschreibt, verwendet man den Begriff Pandemie bei einer viele Länder oder die ganze Welt erfassenden Seuche. In der früheren Geschichte gibt es zwei bekannte Beispiele für Pandemien.

Die Pest sorgte als „Schwarzer Tod“ im 14. Jahrhundert, aber auch darauffolgenden Epochen für viele Millionen Tote. Ihr Ursprung wird in Kämpfen um die Hafenstadt Kaffa auf der Halbinsel Krim vermutet, danach kam sie über die Heimkehr der Kriegsschiffe nach Europa. Sie traf auf eine unterernährte Gesellschaft mit schwacher Immunität und schlechter Hygiene. Schon damals trugen jene Städte den geringsten Schaden davon, die Erkrankte sofort und strikt isolierten und auf besondere Hygiene achteten. Übrigens kann man die langen Nasen damaliger Pestdoktoren als Vorläufer des heutigen Mund-Nasen-Schutzes sehen. Die Pest gibt es übrigens bis heute, gänzlich verschwunden ist sie nie.

In Folge des ersten Weltkriegs grassierte die sogenannte „Spanische Grippe“, die weltweit zwischen 25 und 50 Mio. Todesopfer forderte. Man vermutet, dass sie von amerikanischen Soldaten auf die Schlachtfelder in Europa eingeschleppt wurde, sich dort verbreitete und durch die Heimkehr unzähliger Soldaten in ihre jeweiligen Heimatländer eine weltweite Verbreitung fand. Sie führte vor allem dort zu vielen Todesfällen, wo Unterernährung, schlechte Immunsysteme und mangelnde Hygiene vorlagen.

Diese Pandemien weisen trotz heute gänzlich anderer Standards in Medizin und Hygiene doch Parallelen zur aktuellen Pandemie des Coronavirus auf. In jedem Fall gab es einen Herd mit einer hohen Populationsdichte, in diesen Fällen waren es die Schlachtfelder. Im zweiten Schritt waren sie verbunden mit starken Reisetätigkeiten, im ersten Fall durch den Schiffsverkehr, im zweiten durch die Heimkehr der Soldaten. Bei SARS-COV-2 lag der Herd in der 21-Millionenstadt Wuhan. Der globalisierte Reiseverkehr sorgte für weitere Herde auf der Welt, wie z.B. in Norditalien. Inzwischen hat sich das Virus durch Reisetätigkeit in sämtliche Regionen der Erde verbreitet.

Im aktuellen Fall trifft das Virus zwar auf ein modernen Gesundheitssystem, aber genau durch dessen positive Auswirkungen auch auf viele Menschen im hohen Alter, auf Menschen, die dank Medizin auch mit einem geschwächten Gesundheits- und Immunzustand noch viele Jahre leben können.

Übrigens weisen Wissenschaftler schon seit geraumer Zeit auf die zunehmende Wahrscheinlichkeit einer Pandemie hin. Das globale Bevölkerungswachstum, einhergehend mit einer enormen Steigerung von Populationsdichten in vielen Regionen der Erde, gepaart mit dem intensiven globalen Austausch durch Flug- und andere Verkehre kann eine lokale Epidemie heute deutlich schneller zu einem globalen Problem machen. SARS-COV-2 konfrontiert viele Menschen in unserem Land erstmals bewusst mit den Auswirkungen von Viren, dabei sind wir weltweit von unterschiedlichsten Viren umgeben. Microsoft-Gründer Bill Gates beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit Viren, mit seinem Vermögen trug er maßgeblich zur Erforschung des HIV-Virus bei. Im vergangenen Jahr veröffentlichte Netflix im Rahmen seiner Serie „explained“, die sich der Erklärung von unterschiedlichsten Zeitthemen widmet, eine 21-minütige Reportage unter dem Titel „Die nächste Pandemie“. Fast wie eine Vorausahnung erschien sie gut einen Monat vor Ausbruch des SARS-COV-2. Bill Gates vermutete – wie auch viele Wissenschaftler – eine Pandemie allerdings eher beim sehr variablen Influenza-Virus.

Unser Umgang mit SARS-COV-2

Wir wissen, dass wir die aktuelle Pandemie nur verlangsamen können, wenn Menschen deutlich weniger Kontakt zueinander haben und so Infizierte das Virus nicht an durchschnittlich drei weitere Menschen weitergeben können. Vor diesem Hintergrund dienen die Schutzmaßnahmen und Einschränkungen in erster Linie der Unterbindung sozialer Kontakte. Vor allem in diesem Punkt wird die neue Qualität des Coronavirus deutlich. Denn nach wie vor werden viele Menschen unbewusst zum Träger der Krankheit und können sie bis zu 14 Tage an andere Menschen weitergeben. Um das exponentielle Wachstum jetzt auszubremsen, sind folgende Maßnahmen wichtig:

  • Vermeidung sozialer Kontakte
  • Abstand zu anderen Menschen, empfohlen werden etwa 2 Meter
  • Bei Krankheitssymptomen strikte Quarantäne
  • Gründliches Händewaschen

Umgang erfolgreicher Länder mit SARS-COV-2

Beim weltweiten Umgang mit der Viruspandemie werden große Unterschiede deutlich. So wurde das Virus in Singapur, Taiwan und Hongkong beispielsweise sehr schnell erfolgreich eingedämmt. Diese Länder haben aber aus verschiedenen Gründen Strukturen aufgebaut, über die westliche Industrieländer (noch) nicht verfügen. So klingelten Anfang Februar in der Hauptstadt Taiwans sämtliche Handys und verwiesen auf den Ort, an dem der identifizierte „Patient Null“ sich bewegt hatte. So konnten Kontaktpersonen schnell ermittelt und die Bevölkerung geschützt werden. Solche Systeme bestehen vorwiegend in Regionen, die auch mit Tsunami und Erdbeben konfrontiert sind, in Asien könnte aber auch die SARS-Epidemie aus 2003 eine Rolle gespielt haben.

Zudem fällt auf, dass in sämtlichen asiatischen Ländern ein Nasen-Mund-Schutz getragen wird. Laut Medieninformationen in Deutschland wird dies nicht empfohlen, da dieser Schutz nicht sicher sei. Selbst wenn ein Nasen-Mund-Schutz keinen 100 %igen Schutz darstellt, so gebietet es die Logik, dass er die Möglichkeiten einer Tröpfcheninfektion sowohl für infizierte als auch gesunde Menschen zumindest vermindert. Zumindest in geschlossenen Räumen mit vielen Menschen, wie beispielsweise in Supermärkten, könnte dies ein Mittel zur Verminderung von Infektionen sein. Ein drittes Merkmal ist die strikte Quarantäne, die in asiatischen Ländern relativ schnell mit einer ganz anderen Konsequenz und Disziplin als hierzulande umgesetzt wurde.  Zudem wurden in einigen Ländern die Reisetätigkeiten sofort und umfassend reduziert.

Gibt es bereits Heilung?

Der überwiegende Großteil der an SARS-COV-2 erkrankten Menschen erholt sich recht schnell. Große Probleme wird es auch weiterhin in den Risikogruppen geben.

Inzwischen befindet sich in China ein erstes Medikament bereits in der klinischen Erprobung, es heißt Remdesivir. Es sieht vielversprechend aus, dass damit zeitnah eine erste Substanz gegen das Virus verfügbar sein könnte. Die Zeiträume der klinischen Erprobung sind aber schwer einzuschätzen. Zuerst müssen umfangreiche Studien an Patienten durchgeführt werden – was ganz sicher durch die weltweite Pandemie in einer neuen Geschwindigkeit umgesetzt wird, aber vor allem Zeit benötigt, um vielfältige Nebenwirkungen auszuschließen.

Parallel wird weltweit mit Hochdruck nach einem Impfstoff geforscht. Hier ist auch ein deutsches Unternehmen mit einem innovativen Verfahren ganz vorn dabei. Die Entwicklung eines Impfstoffs benötigt normalerweise sechs Jahre, weil umfangreiche Studien und Zulassungsverfahren zu absolvieren sind. Hier spielt der Weltgemeinschaft in die Hand, dass es bereits 2002/2003 einer erste SARS-Epidemie in verschiedenen Regionen der Erde kam. In der Folge haben über 15 Jahre Forschung bereits viele Erkenntnisse geliefert. Virologen sind zuversichtlich, im Sommer 2021 über einen Impfstoff zu verfügen – voraussichtlich kann es dann auch mehrere unterschiedliche Impfstoffe geben. Wichtig neben der Wirksamkeit wird dabei auch sein, wie schnell und umfangreich dieser produziert werden kann. Im ersten Schritt wird er den Risikogruppen Sicherheit verschaffen.

Die Herdenimmunität

In Medien findet man häufig eine Zahl, dass sich unabhängig von aktuellen Maßnahmen in den kommenden Jahren ohnehin 60 bis 70 Prozent der deutschen Bevölkerung mit dem Virus infizieren. Diese Rechnung basiert auf der einfachen Berechnung, dass ein Mensch das Virus an drei weitere gibt und es grundsätzlich nicht zu stoppen, sondern nur zu verlangsamen ist. Auf die Dauer spricht man von einer „Durchseuchung“ der Gesellschaft. Wenn zwei Drittel der Gesellschaft dem Virus ausgesetzt waren und eine Immunität gebildet haben, ist eine ausreichende, sogenannte „Herdenimmunität“ ausgebildet, sodass ein Infizierter das Virus nicht mehr erfolgreich an andere Menschen weitergeben kann, weil diese ja bereits immun sind. Daher stammt diese Zahl in den Medien. Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese Herdenimmunität in den nächsten zwei bis vier Jahren erreicht wird. Das Virus wird damit allerdings nicht verschwinden – wie das bei anderen Viren auch der Fall ist.

Im Vergleich zum Grippevirus, dass sich jährlich sehr variabel zeigt und in schlechten Jahren weltweit bis zu 1,5 Mio. Todesopfer gefordert hat, ist das SARS-Virus vergleichsweise stabil. Es wird vermutet, dass Infizierte eine Immunität herausbilden, die dann einige Jahre vorhält – beim SARS-COV-1 haben Wissenschaftler allerdings nach fünf Jahren kaum noch Antikörper im Blut der Betroffenen nachweisen können. Insofern wird dann sicher eine regelmäßige Impfung die Herdenimmunität aufrechterhalten müssen.

 

Mythen rund um Corona

Insbesondere durch die sozialen Medien geistern derzeit viele Schreckensnachrichten und Mythen. Mit einigen wollen wir an dieser Stelle, so gut es geht, aufräumen:

SARS-COV-2-überlebt bis zu 3 Tage auf Oberflächen

Laut einer Studie soll SARS-COV-2 bis zu 3 Tage auf Stahl- und auf Kunststoff-Oberflächen überleben können. Das hat ein Forscherteam des US-Gesundheitsinstituts NIH und der Seuchenschutzbehörde CDC Anfang März herausgefunden. Auf Papier und Pappe war es demnach noch nach 24 Stunden nachweisbar. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich diese Meldung mit Vermutungen zu einer enormen Ansteckungsgefahr allein durch Türklinken, die ein Infizierter drei Tage zuvor nutzte. Diese Befürchtung muss relativiert werden. Richtig ist, dass die Forscher in der Lage waren, nach geraumer Zeit noch infektiöse Vireneinheiten nachzuweisen. Beim genauen Lesen der Studie ist jedoch erkennbar: Der Anteil der in der Zwischenzeit abgestorbenen SARS-COV-2 lag bei über 99 Prozent. Entscheidend sind bei den Angaben der Überlebensdauer zudem die Bedingungen, unter denen solche und vergleichbare Studien durchgeführt werden. So wird meist nicht die Überlebensfähigkeit speziell von Viren in Nasensekret oder Speichel überprüft, sondern ein unter Laborbedingungen hergestelltes Virenextrakt verwendet. Die Konzentration von Viren in diesem Extrakt ist jedoch weitaus höher als in den Körperflüssigkeiten eines Infizierten. Experten und Virologen weisen klar daraufhin, dass sich SARS-COV-2 vor allem durch Tröpfcheninfektion und deutlich weniger durch die sogenannte Schmierinfektion verbreitet.

SARS-COV-2 wird 60 bis 70 Prozent der Weltbevölkerung infizieren

Diese Schätzung basiert auf einem Rechenmodell, dem zwei Annahmen zugrunde liegen: Zum einen, dass ein Infizierter durchschnittlich drei weitere Personen mit SARS-COV-2 ansteckt – das entspricht der sogenannten „R0“ (Basisreproduktionsziffer) von 3. Zum anderen, dass Personen, die von der Krankheit wieder genesen sind, fortan immun gegen SARS-COV-2 sind. Bei der Rechnung sollte nicht außer Acht gelassen werden: Die Ansteckungsrate von 3 Neu-Infizierten pro erkrankter Person ist lediglich eine aktuelle Schätzung, die Zahl wird mit zunehmender Verbreitung der Krankheit abnehmen, weil Erkrankte dann auch auf zunehmende immune Menschen stoßen. Die World Health Organisation geht Stand März 2020 von einer R0 von 1,4 bis 2,5 aus. Somit müssten etwa 40 bis 60 Prozent der Bevölkerung SARS-COV-2 durchlaufen haben, um die Ansteckungsrate konstant zu halten. Nicht beachtet wird bei der Zahl ebenso der Einfluss von Impfstoffen, die spätestens ab Sommer 2021 zur Verfügung stehen sollen.

SARS-COV-2 wird über Smartphones übertragen

In Coronazeiten macht auch die Nachricht die Runde, dass das Virus über die Oberfläche von Smartphones und Tablets übertragen werden kann. Dabei wird auf verschiedene Studien verweisen, die viele Keime, Bakterien und andere Rückstände auf den digitalen Bildschirmen ermittelten. Da wir durchschnittlich 2.500 Mal pro Tag auf den Bildschirm des Smartphones tippen, überrascht das kaum. Experten geben beim Coronavirus aber Entwarnung: Handys und Tablets sind in der Regel ein sehr persönlicher Gegenstand und werden nicht weitergereicht. Sie sind somit das Spiegelbild der eigenen Sauberkeit beziehungsweise der eigenen Keime. Wichtiger als die Reinigung des Smartphones sei daher, die Hände regelmäßig und gründlich zu waschen.

Text: mit freundlicher Genehmigung des Verlags zwei helden GmbH/Eltern-und Familienmagazin Lausebande

> Eltern- und Familienmagazin Lausebande

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