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Redaktionelles
Donata Elschenbroich bei den Buchwochen
Veranstaltung mit der Elternzeitung Luftballon

Dr. Donata Elschenbroich ist Kindheitsfor­sche­rin am Deutschen Jugendinstitut Mün­chen/Frank­furt. Ihr Buch „Weltwissen der Sieben­jäh­rigen“ wurde in acht Sprachen übersetzt. Die Autorin hat drei erwachsene Kinder und drei Enkelkinder und lebt in Frankfurt und Mün­chen. Am Mittwoch, den 3. März wird Sie in einer gemeinsamen Veranstaltung des "Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, der Buchhandlung Wittwer, dem Luftballon, der vhs Stuttgart und dem Haus der Familie einen Vortrag zu ihrem Buch mit Filmsequenzen halten. Susanne Haag hat sie vorab zu ihrer Vor­stellung von frühkindlicher Bildung befragt.



Luftballon: Frau Elschenbroich, in Ihrem Buch „Welt­wissen der Siebenjährigen. Wie Kinder die Welt entdecken können“ beschreiben Sie, was Erstklässler wissen, kennen und können sollten. Was gehört dazu?

Elschenbroich: Die Siebenjährigen sehe ich nicht in erster Linie als Erstklässler! Sondern als unsere Zeitgenossen, die sich bereits mit viel Begabung und großer Energie in die Welt eingearbeitet haben. Dabei haben sie sich so viel Neues angeeignet wie später nie wieder im Leben. Vielleicht die wichtigste Erfahrung in diesem ersten Lebensabschnitt ist es, dass man selbst etwas bewirken kann, dass man den Verhältnissen und den Erwachsenen nicht nur ausgeliefert ist. Ich habe etwas geübt – jetzt kann ich es besser! Ich habe etwas gefragt, und die Erwachsenen wussten auch nicht gleich eine Antwort. Aber wir haben zusammen darüber nachgedacht, meine Gedanken sind kein Unsinn.


Luftballon: Warum haben Sie diesen Bildungskanon gerade für Siebenjährige zusammengestellt?

Elschenbroich: Weil es mir und den vielen Menschen, die ich dazu befragt habe, Freude gemacht hat, den Bildungshorizont der frühen Jahre zu umrunden. Man kommt dabei wie von selbst darauf, dass Bildung viel mehr ist als das Abspeichern von Faktenwissen. Erfahrungen wie einen Damm im Bach gebaut zu haben, eine Orgel zu hören, eine Zahl in Blindenschrift tasten – das sind nur einige Beispiele für die Weite der Interessen, die man mit Kindern teilen kann.


Luftballon: Wie können Eltern ihre Kinder bei der Entdeckung ihrer Welt unterstützen?

Elschenbroich: Die Eltern unterstützen die Kinder in den frühen Jahren mehr, als ihnen selbst oft bewusst ist. Sie zeigen dem Kind, dass es einen Schuh für den rechten und für den linken Fuß gibt, dass man sicherheitshalber nur bei Grün über die Straße geht und dass nicht jeder Wunsch sofort in Erfüllung gehen kann.
Noch mehr tun Eltern, wenn sie mit den Kin­dern gemeinsam Neues entdecken und dabei so auf­merksam sind, wie es der Anlass verdient. Im­mer mal wieder eine Warum-Frage des Kindes ernst nehmen, und der Sache auf den Grund zu ge­hen versuchen – so weit man halt kommt. Das be­stärkt die Kinder in einer Haltung, die sie ihr Le­ben lang brauchen werden – offen bleiben für Neues.


Luftballon: Sie beschäftigen sich mit der vorschulischen Bildung und kennen auch die Bildungssysteme in anderen Ländern. Glauben Sie, dass in Deutschlands Kinderbetreuungseinrichtungen genügend Weltwissen vermittelt wird?

Elschenbroich: Im vergangenen Jahrzehnt hat sich einiges getan. Die Bedeutung der frühen Bildung für die Ausbildung lebensnotwendiger Grundhaltungen wie Selbstvertrauen und Auf­merksamkeit ist anerkannt. Die deutschen Kinder­gärten sind für die Kinder interessanter geworden – die meisten, immer noch nicht alle! - und der Horizont der Frühpädagogik hat sich erweitert. Aber weiterhin mutet man den Erzie­herinnen unangemessen niedrige Gehälter und belastende Arbeitsbedingungen zu. Das Tem­po der Aufbesserung ist erschreckend langsam.


Luftballon: Ihr Buch ist vor bald neun Jahren erschienen, gibt es Neues vom Weltwissen? Was würden Sie aus heutiger Sicht hinzufügen oder weglassen?

Elschenbroich: Ich schreibe gerade an einem Buch über „Die Dinge“ – die Alltagsgegenstände, was sie uns bedeuten, und was wir von ihnen lernen, lebens­lang. Dieses so genannte „informelle Lernen“ geschieht vor allem in der Familie. Man kann es durch Anregungen noch reichhaltiger werden lassen. Die Anregungen für die Eltern­häuser entwickeln wir zusammen mit den Erzie­herinnen. Nur wenn Kinder merken, dass Bil­dung auch zuhause etwas bedeutet, können sie das Lernen als Teil ihres Lebens erfahren.

INFO:
Donata Elschenbroich, „Welt­wissen der Siebenjährigen“, Vortrag mit Filmsequenzen im Rahmen der Kinder u. - Jugendbuchwochen. Mittwoch, 3. März, 20:00 Uhr, vhs Stuttgart, Rotebühlplatz 28, Robert-Bosch-Saal.

Veranstaltet vom Börsenverein in Kooperation mit der Buchhandlung Wittwer, dem Luftballon, der vhs Stuttgart und dem Haus der Familie
• Büchertisch zum Thema Erziehung und
Pädagogik der Buchhandlung Wittwer
• Infostand „Haus der Familie“ mit Beratung
Eintritt: 8,- EUR, ermäßigt 6,- EUR (inkl. 1 Getränk) Kartenvorbestellung vom 01. - 24.02.2010 unter Tel.: 07 11/18 73 881 und ab dem 25.02.2010 unter Tel: 07 11/18 73 837
Vorverkauf: im Treffpunkt Rotebühlplatz
(1. OG, Infotheke) ab dem 25.02.2010,
im Buchhaus Wittwer und im Haus der
Familie ab dem 01.02.1010.