Immer in der ersten Reihe

Teil zwei unserer Serie „Leben mit einem behinderten Kind“

Da standen wir also, sehr weit hinten in der bereits gut gefüllten Halle beim Clubkonzert von Andreas Kümmert im Stuttgarter LKA. Meinem Sohn Daniel war  ziemlich schnell klar, dass er seinen persönlichen Favoriten von The-Voice-Of-Germany aus der ersten Reihe erleben wollte. Und so schob er sich mit einer Mischung aus unbändigem Willen, Missachtung jeglicher Verhaltensregeln und individuellem Charme direkt in die erste Reihe. Quasi unmittelbar vor den Mikrofonständer. Meine Fürsorgepflicht und Neugier spülten mich dann auch in den vorderen Bereich der Halle.


Hin und wieder sah ich ihn mit dem Handy fuchteln, die Leute um ihn herum gaben Ratschläge, machten Fotos für und mit ihm und klatschten sich gegenseitig ab. Die Stimmung war toll, die Luft sehr trocken und Andreas Kümmert verteilte an seine Fans in der ersten Reihe etliche Sprudelflaschen. Daniel nahm gleich zwei und ließ per Menschenkette eine zu mir durchreichen. Jetzt wussten alle, okay, das ist also der Vater dazu. Sie hatten ein Lächeln im Gesicht und hielten den Daumen nach oben.
Nach dem Konzert bekam Daniel ein hand­­sig­niertes Tourplakat vom Künstler per­sön­lich überreicht. Per Handschlag verabschiedete sich mein Sohn von seinen ca. 20 neuen Bekanntschaften und wir gingen beide glückselig hinaus in die Nacht, er mit einem breiten Grinsen im Gesicht, ich mit der Dankbarkeit, dieses „Anders sein“ immer wieder als eine echte emotionale Bereicherung erleben zu dürfen.

von Thomas Bökle

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