Besuch auf der Jugendfarm Elsental

Oh Augenblick, verweile doch!

Erst die Turnschuhe. Dann folgt die Jeans, schließlich schiebt sich das ganze Kind durch die enge Öffnung im Bauch des Baumhauses und klettert behände die lange Leiter herunter. Schnell zur Feuerstelle, die Glocke hat geläutet, es ist 15 Uhr. Etwa 40 Kinder wuseln dort umher und finden einen Sitzplatz: auf Baumstämmen, auf einem Holzzaun, die Großen lehnen über einem Ast. Manche der Kinder haben kleine Ringe unter den Augen – sie sind noch müde von der Farmübernachtung am Wochenende. Das hält sie nicht davon ab, heute wieder auf ihrer Farm zu sein. Aufmerksam hören sie zu, welche Aktivitäten die Betreuer für den Nachmittag anbieten: Holzwerkstatt, Tiere versorgen, Reiten oder in einer Schubkarre Steine zum Plätteln heranschaffen – gegen Schokokeks versteht sich.

An anderen Tagen und je nach Wetter wird getöpfert, gebastelt, gebacken, gegärtnert. Viele kommen auch einfach zum Spielen und Toben, der Ort schreit geradezu danach. Zärtlich schmiegt sich die Farm in eine bewaldete Schneise im Elsental. Überall gibt es verwinkelte Ecken, kleine Häuschen, Tierställe. Pferde, Schafe, Ziegen, Esel, Hühner, Hasen und Katzen leben auf der Farm. Ein Bach führt hindurch, hier können die Kinder Schiffchen fahren lassen und Staudämme bauen. Am steilen Waldhang dahinter wird gerutscht, gehangelt und Hütten werden gebaut.

Ein Fleck pulsierender Natur

Bevor sich der Kreis an der Feuerstelle löst und die Kinder losziehen, noch eine Sache:  „Da unten ist ein großer Grashaufen. Bitte nicht darin rumhüpfen, der ist für die Pferde. Das ist sonst, wie wenn jemand in eurem Müsli rumhüpft.“ Es ist Rochus Zimmermann, der das sagt, einer der vier festen Mitarbeiter. Die Jugendfarm ist ein Fleck pulsierender Na­tur. Hier dürfen die Kinder sie erobern – und zugleich den Respekt vor ihr lernen. Neue Farmkinder können an einer Einführungsgruppe teil­nehmen. An sechs Nach­mit­ta­gen lernen sie die Farm, die Betreuer und die Regeln ken­nen. Neue Kinder können je­doch auch einfach so kom­men und sich an andere Kinder oder Geschwister halten. Kernzielgruppe sind die 7 bis 13-Jährigen. Jün­ge­re kön­nen mit Eltern kom­men, Ältere werden als Hel­fer ein­ge­bunden und führen etwa die Pfer­de beim offe­nen Reiten, das jeden Tag stattfindet. Auch feste Reit­gruppen gibt es.

Ferner hat die Farm ein breites Ferienangebot: Waldheim in den Sommerferien, verlässliche Grundschule in allen kleinen Ferien, verlängerte Öffnungszeiten mit Mittag­essen von 10 bis 18 Uhr als offenes Angebot.

Der Nachmittag verfliegt. Gegen fünf Uhr steigen die Kin­der wieder aus ihren Sät­teln, verräumen Werk­zeuge, verabschieden sich von den Hasen, klettern aus dem Wald und kehren zurück zur Feuer­stelle. Der Gras­haufen ist unberührt geblieben, die Flam­men flackern, Stock­brot duftet. Man möchte Kind sein an diesem Ort. Und man möchte flüstern: „Oh Augen­blick, verweile doch, du bist so schön!“

Infos:
Jugendfarm Elsental e.V.
, für Kinder von 7 - 13 Jahren, Jüngere mit Eltern, Öffnungszeiten: Mo. – Fr. von 14 – 18 Uhr, Ferien: 10 – 18 Uhr. Besuch kostenfrei (Versicherung 5 Euro/Jahr, Unkostenbeitrag für Ferienbetreuung und feste Reitgruppen).  Besonderheit: viele Pferde

von Olga Burkhardt

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