Ab ins Kloster!

Bunte Wasserräder und mittelalterliches Klosterleben in Lorch

Nach etwas mehr als 30 Minuten im Regionalexpress ab Stuttgart-Haupt­bahn­hof erreichen wir den Bahnhof Lorch. Da das Kloster – wie es sich für solche Bauwerke gehört – etwas oberhalb der Stadt steht, geht es erst einmal zu Fuß eine viertel Stunde bergauf, bis wir die historische Anlage erreichen.
Wir haben uns für den Vormittag die Wanderung durch die Schelmenklinge vorge­nommen, überqueren daher gleich am Klosterparkplatz die Durch­­gangs­straße und folgen der Beschil­derung zur Schelmen­klinge.
Nach einer guten halben Stunde Fuß­marsch durch urwüchsigen Wald, vorbei an sich schlängelnden Bächen und weidenden Pferden, erreichen wir den Ein­gang der Schelmenklinge, ein von Moosen, den unterschiedlichsten Bäu­men und Büschen wild bewachsenes Tal. Entlang des Baches hat der Schwä­bische Albverein in liebevoller Klein­arbeit zahlreiche Wasserspiele aus Blech aufgebaut. Die Kinder sind begeistert, als sie alle paar hundert Meter auf eine neue Figur stoßen; hier eine Windmühle, dort ein Fischer mit Angel, der sich im Kreis dreht, dort ein laut klopfendes Ham­mer­werk... Natürlich wird jedes Was­ser­spiel ausführlich angeschaut, so dass wir sehr langsam vorankommen. Oben angekommen folgen wir den Schil­dern zum Kloster Lorch, das wir über den mit riesigen Mammutbäumen gesäum­ten Waldweg nach insgesamt fast drei­stündiger Rund­wanderung wieder erreichen.

 

Adlige Damen und kraftvolle Vögel

Im Klosterhof wartet schon eine Dame in historischer Gewandung auf uns, die sich als Irene von Byzanz vorstellt. Die von der Wanderung schon etwas müden Kinder sind schlagartig wieder fit, als sie sich ebenfalls historisch kostümieren dürfen und Irene in das Kloster folgen. Irene zeigt uns den mittelalterlichen Alltag der Möche in dem 1102 von dem Staufer Herzog Friedrich I. gestifteten Kloster sehr anschaulich. Die Kinder sind be­eindruckt, dass es nur einmal am Tag etwas zu essen gab und dass bei Tisch ein absolutes Schweigegebot galt. Nach dem Besuch bei den vornehmen Toten in der Klosterkirche und einer Kloster­geistergeschichte nimmt uns Irene noch auf den klostereigenen Marsi­lius­turm mit, von dem aus wir den schönen Ausblick über das Remstal genießen.
Als wir wieder im Klosterhof ankommen, hat die Greifvogelflugschau der Stauferfalknerei, die sich neben dem Klostereingang befindet, bereits begonnen. Wir begnügen uns deshalb dieses Mal damit, die großen Wanderfalken, Adler und anderen Greifvögel nur kurz aus der Ferne ihre Kreise vor der schönen Kulisse des Klosters und der drei Kaiserberge ziehen zu sehen und machen uns mit schon ziemlich müden, aber sehr zufriedenen Kindern auf die Heimreise.

von Jennifer Josl

> mehr