Über Stock und Stein

Sind Esel wirklich störrisch? Um dieser und noch weiteren Fragen bezüglich der knuffigen Huftiere auf den Grund zu gehen, haben wir uns zu einem Ausflug der besonderen Art angemeldet: Bei einer Esel-Wanderung durch das Gundelsbacher Tal können Kinder die Esel abwechselnd führen oder reiten und erfahren gleichzeitig von der „Esel-Mama“ Iris Striegel-Vaihinger vieles über den Umgang mit den liebenswerten Tieren.

Nicht länger als 30 Minuten dauert die Anfahrt von Stuttgart zum Stall von Iris Striegel-Vaihinger in Gundelsbach, einem idyllisch gelegenen Wohnbezirk von Weinstadt zwischen Weinbergen und Wald. Neben den etwa 150 Einwohnern leben hier auch die Esel Mathilde, Manolito, Maja und Emil.

Wir treffen uns am Gundelsbacher Wanderparkplatz, wo wir ersten Kontakt zu den Eseln aufnehmen. Iris Striegel-Vaihinger hat für die heutige Wanderung die Kleinesel Maja und Emil mitgebracht, da die Kinder auf diesen gut reiten können. Wir Eltern führen das Eselpärchen während unserer Wanderung, zusammen mit den Kindern, die abwechselnd führen oder reiten dürfen.

Striegel-Vaihinger („Am besten ihr nennt mich einfach Iris“) drückt mir das Seil von Emil in die Hand, für den ich ab sofort verantwortlich bin. Bevor es los geht, gibt sie den großen und kleinen Teilnehmern eine kleine Einführung, in der sie erklärt, wie die Esel geführt werden sollen und was den Charakter eines Esels ausmacht. 

Mit Maja und Emil unterwegs
Dann geht es auf direktem Weg in den Wald. Blöd nur, dass am Rande dieses Weges hochgewachsenes, saftiges Gras wächst – Emil möchte eigentlich viel lieber von dem leckeren Gras fressen, als schnell in den Wald zu kommen, was eine erste Herausforderung für mich als unerfahrene Eselsführerin ist. Doch Striegel-Vaihinger steht mir mit Rat und Tat zur Seite, so dass wir ruhigen Schrittes in den Wald gelangen. Nebenbei erzählt die Führerin von ihren Erfahrungen mit den Eseln, die nun seit etwa fünf Jahren bei ihrer Familie wohnen: „Einen Esel kann man nicht zu Gehorsam erziehen, er macht nur, was wir wollen, weil er uns mag“ oder „Der Esel sucht sich den Menschen aus, der zu ihm passt“ sind wichtige Grundlagen, die wir dabei lernen und gleichzeitig während der Wanderung aktiv erleben. Im Wald dürfen dann auch die Kinder, die Lust dazu haben, auf die Esel aufsitzen. Wer sich nicht traut, kann auch einfach nur mitwandern oder mitführen, durch den märchenhaften Wald entlang des Gundelsbachs. Nach etwa eineinhalb Stunden kommen wir zu einem schön gelegenen Grillplatz, wo die Kinder toben können und wir unsere Würstchen und Stockbrot zum Grillen auspacken. Wir haben Speisen und Getränke selbst mitgebracht, doch es gibt auch die Möglichkeit, dass die Veranstalterin sich um das leibliche Wohl kümmert. Das sollte man im Vorfeld klären.

Esel sucht sich den Menschen aus
Bevor wir uns gestärkt und gesättigt weiter auf den Weg machen, wird abgestimmt, wie weit es noch gehen soll oder ob wir uns so langsam auf den Rückweg machen. Die Kinder sind müde, denn bei der Wanderung „werden alle Sinne angesprochen. Das ist anstrengend“, erklärt Striegel-Vaihinger. Darum entscheiden wir uns für den direkten Weg zurück nach Gundelsbach. Jedoch diesmal auf einem Trampelpfad, auf dem die Esel mit Leichtigkeit über Stock und Stein klettern. Als wir beim Stall ankommen, haben wir alle ein ganz anderes Verhältnis zu den Langohren als zuvor. Und beim Streicheln auf der Koppel ist deutlich zu spüren, dass nicht nur die Esel sich ihre Menschen aussuchen, mit denen sie klar kommen. Auch die Kinder haben bereits ihren Lieblingsesel. Meine fünfjährige Tochter beschließt zum Abschied noch, dass sie hier ihren nächsten Kindergeburtstag feiern möchte…

Es werden Halbtages- und Tagestouren  für große und kleine Gruppen
und für jedes Alter angeboten.
Die Wanderungen können zu jeder Jahreszeit und bei fast jeder Wetterlage stattfinden

von Cristina Rieck

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Liebevolles Striegeln

Landeshauptstadt Stuttgart