Nachttopf, Rührgerät und Schokoschmaus

Ein Nachmittag in Waldenbuch

Die Kleinstadt Waldenbuch hat viel zu bieten. Darunter das urige „Museum der Alltags­kultur“ und die Firma Ritter-Sport, mit ihrer Schoko­ausstellung und -werkstatt. Ein Mutter-Tochter-Ausflug an einem  verregneten Mittwoch-Nach­mittag.

Steil geht es das gepflasterte Sträß­chen hinauf. Vorbei an üppigen Blumen­kästen, kleinen Cafés, verwinkelten Geschäften, dem al­ten Rat­haus; dann durch den Torbogen hindurch zum Schloss. Hier ist das „Museum der All­tags­kultur“ beheimatet, eine Außenstelle des Lan­des­museum Württemberg. Darin versam­melt sich alles, was Rang und Namen hat: ein Rühr­gerät etwa, Streichholz, Rad und Wäsche­klam­mer. Wir schlendern durch die Aus­stel­lung und erleben das, was das Museum ver­spricht: einen neuen Blick auf die wahren Hel­den des Alltags, auf die Dinge des Lebens, die es erleichtern und die kaum weg­zudenken sind.

Helden des Alltags
Wir betreten die historische Säulenhalle, die „Dürnitz“. Dieser Ausstellungsteil heißt „Zeit-Sprünge“ und verbindet humo­rig Vergangenes mit dem Heute. Lange verweilt die Tochter vor einer der Vitri­nen. Darin ein kleiner Nachttopf, neben ihm eine vollautomatisierte, selbst­reini­gende Klo­schüssel. „Hattet ihr früher auch so einen Topf?“ will sie wissen.
Ein Blick auf die Uhr – ein weiterer Held des Alltags – und wir verlassen mit schwerem Herzen das Museum, nicht ohne zu beschließen, wieder zu kommen. Wir eilen die Pflaster­straße herunter, der Regen kommt mit, vorbei am Kreisel, die Straße entlang und binnen einer viertel Stunde finden wir uns bei Ritter Sport wieder. Hier ist die Tochter für die Schokowerkstatt angemeldet.

Schokolade wächst nicht am Baum
Vier bunte Holztische stehen im Raum. Qua­dra­tisch, versteht sich. Je vier Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren sitzen an den Tischen, wild entschlossen, ihre eigene Schokolade zu machen. Doch wie geht das eigentlich?
„Schokolade wächst ja leider nicht am Baum“, sagt Simone Bühler, eine der 21 Päda­go­­ginnen, die im Turnus die Werkstatt leiten. Die Kinder kichern, die Eltern warten draußen. „Was braucht man also, um sie zu machen?“ Mit Hilfe bebilderter Karten erklärt Büh­ler den Weg von der feuchten Kakaobohne bis zur fertigen Schokolade. Dann geht es los. Hän­de waschen, Umhang überziehen, ab in die Schoko­küche. Je drei Zutaten dürfen sich die Kin­der aussuchen. Mandel-Stückchen etwa, Gum­mi­bärchen, Smarties oder Puffreis. Sie mischen diese mit flüssiger Schokolade, die wie im Schla­raf­fenland aus einem Hahn fließt, gießen die Mischung in eine Form. Während diese kühlt, räumt jedes Kind seine Sauerei auf, dann be­malen sie eine Verpackung, bis sie ihre Krea­tion aus dem Kühlschrank holen, es aus der Form klopfen und stolz in die Hülle stecken dürfen. Das Werk ist vollbracht.
Abschließend schlendern wir noch durch die kleine Schokoausstellung, die die Entwicklung der Schokolade und der Firma Ritter Sport aufzeigt. Hier erfährt man, dass die Schokolade nicht immer qua­dra­tisch war, warum sie das nun ist, und, für die noch unwissenden Eltern, wie der Weg von der Bohne zur Schokolade ist.
Fazit des Ausflugs? Das Kind will in der Schokowerkstatt seinen nächsten Geburts­tag feiern. „Und du und Papa, ihr könnt euch ja so lange den Nachttopf anschauen gehen.“

von Olga Burkhardt

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