Ein Ort der Entschleunigung

Unsere Erlebnistour beginnt in Stuttgart und führt uns auf der B29 Richtung Schwäbisch Gmünd bis zur Ausfahrt Welzheim. Nach wenigen Kilometern erreichen wir Welzheim. Hinter Welzheim biegen wir im Kreisverkehr nach links Richtung Rudersberg und erreichen den oberen Parkplatz. Zunächst führt uns der angrenzende Wanderweg über eine Naturtreppe bergabwärts auf das Gelände von Eins+Alles. Unterwegs schaukeln unsere Kinder in einem riesigen Weidenkorb. Kurz darauf erreichen wir eine Brücke mit Spaghettivorhang. Beim Hindurchtreten streifen wir unsere Gedanken ab und treten in einen besonderen Ort ein, an dem man ganz bewusst seine Sinne wahrnehmen kann. Kein Mobiltelefon kann uns dabei stören, denn die Laufenmühle befindet sich – ganz bewusst? – in einem Funkloch.
Das Eins+Alles Erfahrungsfeld wird von der Christopherus Lebens- und Ar­beits­ge­mein­schaft Laufenmühle e.V. als Werkstatt für behinderte Menschen betrieben. Idee ist, dass auf der Ebene der Sinneserfahrung alle Menschen gleich sind und Behinderung in den Hintergrund rückt.

Wunderwege und Klangstationen
Nun wollen wir auf Entdeckungsreise gehen, um die verschiedenen Stationen des Erfah­rungs­feldes kennenzulernen: als erstes erspähen die Kinder die Tiere: es gibt Lamas, Meer­schweinchen, Esel, Hasen, Hühner und Ziegen. Ein freundlicher junger Mann mit geistiger Behinderung erklärt uns voller Begeisterung etwas über die Tiere.
Im Anschluss zieht es uns den Wunderweg den Berg hinauf, der angenehm im schattigen Wald liegt. Es erwarten uns Klangstationen und Überraschungen der Natur. Besonders begeistert sind wir von einer mit Wasser gefüllten Schale. Durch Reibung bringen wir die Schale zum Klingen und das Wasser sogar zum Springen. Es bilden sich Muster am Beckenrand, das Wasser vibriert und fängt an, in kleinen Perlen nach oben zu steigen. Wir sind alle fasziniert. Jeder will es mal ausprobieren.
Danach treten wir durch Stein- und Holzvor­hänge in ein kleines Waldzimmer ein, in dem unsere Kinder spontan eine kleine Theater­vor­führung machen. Nun geht es über eine Hänge­brücke in den Wald der Balance. Hier erwartet uns ein Niedrigseilgarten und spannende Team-Übungen. Auch uns Eltern macht es Spaß, den Gleichgewichtssinn in dem Parcours zu testen.

Pause im Café Molina
Nach einer Pause im Café-Restaurant Molina bei leckerer Eisschokolade und Kuchen (die Freundlichkeit des Personals fällt angenehm auf) machen wir uns gestärkt auf den Weg um den Dunkelgang zu erkunden: die Mutigen unter uns wagen das Erlebnis, in völlige Dunkelheit einzutauchen. Man tastet sich an der Wand entlang und fühlt dabei unterschiedliche Gegenstände. Gehör- und Tastsinn schärfen sich und man kann sich ein bisschen in blinde Menschen hineinfühlen. Zum Abschluss warten in dem Aktionshaus Rote Achse weitere sinn-volle Erfahrungen auf uns. Im Erdgeschoss rennen unsere Kinder zu einem Riesenpendel, mit dem sie tolle Muster in den Sand zeichnen. Im oberen Stockwerk balancieren sie über Halbkugeln und legen sich in Badewannen, die mit Obstkernen befüllt sind. Nachdem die Kinder ungefähr zum 20. Mal die Stufen ins obere Stockwerk erklimmen, um mit Begeisterung eine Holzkugel in die Kugelbahn zu katapultieren, kühlen wir uns zum Abschluss müde und erschöpft, aber voller Sinneserfahrungen, am Bach Wieslauf ab und treten den Nachhauseweg an.

von Melanie Schwarz

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