Schnupftabak und Omakuchen

Schon von weitem sieht man die Türme der Burg in den Himmel ragen. „Wie eine Krone auf der Bergspitze", finden die Kinder, sehe sie aus der Ferne aus. Die Burg Hohenzollern ist tatsächlich nicht zu übersehen, sie thront auf einem 850 Meter hohen Bergkegel. Parken muss man am Fuße des Berges, ab hier schlängelt sich dann ein Fußweg den Berg hinauf. Bequemer geht es zwar mit dem Pendelbus, der mehrmals in der Stunde Besucher hinauf- und wieder hinunterbefördert. Wir wollen aber laufen und machen uns auf den halbstündigen Weg zum Burgeingang, dem Adlertor. Gerade rechtzeitig, denn vor der Tür sammeln sich schon viele Besucher für die nächste Führung.

Purpur und Gold

Wir quetschen uns mit vielen anderen Gästen in die Stammbaumhalle, in der die Burgführerin die weitverzweigte Familie der Hohenzollern vorstellt. Alle Vorfahren können wir uns nicht merken, wohl aber dass die Preußische Linie zu einem der mächtigsten Fürstenhäuser Europas wurde und die berühmtesten Fürsten Friedrich der Zweite, alias Alter Fritz, und der letzte Kaiser Deutschlands, Wilhelm der Zweite sind. Mit XXL-Schlosspantinen an den Füßen schlurfen wir durch die Prunkräume. Gelebt hat in dieser im 19. Jahrhundert erbauten Burg aber nie ein Kaiser. Kein Wunder bei den bitterkalten Gemächern und Korridoren, meinen die Kinder und träumen von einem heißen Punsch zum Aufwärmen. Dafür sind die Räume mit wertvollen Kunstgegenständen und Möbeln eingerichtet und der Blick aus den Fenstern über die Zollernalb ist atemberaubend.
Ein Höhepunkt des Besuchs ist die Schatz­kammer, zu der eine steinerne Wendeltreppe hinunterführt. In dem kleinen Raum liegen hinter dicken Glasvitrinen allerlei edle Kleinode. Ein wahrhaftes Königinnenkleid, eine Babyrassel aus purem Gold, diamantenbesetzte Schnupftabakdosen aus der Sammlung Friedrichs des Großen. Eine habe ihm bei einer Schlacht das Leben gerettet, weil die Gewehrkugel an ihr abgeprallt sei, erzählt die Burgführerin. Und natürlich die Preußische Königs­krone. Dass sie noch da ist, ist gar nicht selbstverständlich, denn vor 60 Jahren gelang es einem Dieb, in die Schatzkammer einzudringen und viele wertvolle Gegenstände zu stehlen. Der Einbrecher wurde zwar gefasst, aber einen Großteil der Beute hatte er schon zerschlagen und Gold und Brillanten weiterverkauft. Seither werden die Schätze noch besser geschützt.
Mittlerweile sind auch die Erwach­senen­füße kalt geworden und in der Burgschenke genießen wir den heißen Punsch, bevor wir uns wieder zum Abstieg aufmachen. Wir wollen noch in die Studentenstadt Tübingen. Von der Neckarbrücke blicken wir zum Hölderlinturm, schlendern durch die Gassen zwischen Holzmarkt und Marktplatz und landen schließlich in der Hirschgasse im Café im Hirsch. Das Müsli dort ist legendär, uns lachen aber die hausgemachten Kuchen an und wir bestellen gleich vier unterschiedliche Stücke, zum gegenseitigen Probierenlassen. „Wie von der Oma", schwärmen wir alle!

von Christina Stefanou

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