Es tut sich etwas:

Eltern geben der Schule bessere Noten

Bereits zum dritten Mal befragten die Meinungsforschungsinstitute Mentefactum und Kantar Emnid im Januar und Februar 2017 im Auftrag von JAKO-O bundesweit telefonisch 2.000 Eltern mit schulpflichtigen Kindern bis zu 16 Jahre zum Bildungssystem. Das Ergebnis ist: Es tut sich was aber es besteht weiterhin Verbesserungsbedarf.

Das Bildungssystem wird aus Elternsicht zunehmend gerechter. Zwei Drittel der Mütter und Väter sehen die Bildungschancen in Deutschland mittlerweile „sehr“ oder „eher gerecht“ verteilt. Zudem entwickelt sich Deutschland aus Sicht der Eltern zu einem kinderfreundlicheren Land.

Gerechtigkeit und Kinderfreundlichkeit

62 % sehen das laut der jetzt in Berlin vorgestellten 4. JAKO-O Bildungsstudie so. Für die repräsentative Untersuchung wurden im Januar und Februar 2017 bundesweit 2.000 Eltern mit schulpflichtigen Kindern im Alter bis zu 16 Jahren von den Meinungsforschungsinstituten Mentefactum und Kantar Emnid be­fragt. Die in regelmäßigen Abständen durchgeführte Studie beleuchtet sowohl langfristige Trends als auch aktuelle bildungs- und schulpolitische Brenn­punkte.

Dass sich Schule in Deutschland verändert, lässt sich zum Beispiel bei der Bildungs­gerechtigkeit sehen. 2010 schätzten nur 50 % der befragten Eltern die Bildungs­chancen als gerecht verteilt ein. 2017 sind es 65 % – ein deutlicher Zuwachs von 15 Prozentpunkten innerhalb weniger Jahre. Auch der Ausbau der Ganztagsschulen schreitet voran. 47 % der Befragten gaben an, dass ihr Kind einen Ganztags­schulplatz hat (2014: 23 %). Allerdings ist der Bedarf an entsprechenden Plätzen noch immer viel größer als das Angebot: Mit 72 % wünschen sich fast drei Viertel der Eltern eine Ganztagsschule für ihr Kind (2014: 70 %). Gleichzeitig bemängeln Eltern bei den gegenwärtigen Ganztagsschulen zum Teil erhebliche Qualitätsdefizite. 37 % sehen zum Beispiel Verbesserungsbedarf bei der individuellen Förderung der Schüler. 

Inklusion und Integration: überwiegend akzeptiert

Inklusion und Flüchtlinge

Beim Thema Inklusion zeigt sich ein differenziertes Meinungsbild. Zwar stößt der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Beeinträchtigungen bei den Eltern mehrheitlich auf Zustimmung – entscheidend ist dabei allerdings die Art der Behinde­rung. Gemeinsames Lernen mit körperlich beeinträchtigten Kindern befürworten neun von zehn Eltern (89 %, 2010: 89 %). Bei Kindern mit Lernschwierigkeiten sind 71 % der Eltern für inklusives Lernen (2010: 72 %), bei verhaltensauffälligen Kindern 49 % (2010: 46 %), bei geistig behinderten Kindern 41 % (2010: 46 %).

Nach Angaben der Eltern wird Inklusion mittlerweile an 38 % der deutschen Schulen gelebt. Den überwiegenden Teil der Inklusionsarbeit leisten dabei Gesamtschulen mit 58 %. Realschulen kommen beim gemeinsamen Unterricht für behinderte und nicht-behinderte Kinder lediglich auf 29 %. Für alle Schulformen liegen die Prozentwerte deutlich höher als noch in 2014.

21 % der befragten Eltern berichten, dass ihr eigenes Kind eine Inklusionsklasse besucht. Die Erfahrungen dieser Eltern sind überwiegend positiv: Jeweils 64 % von ihnen berichten von zusätzlichem pädagogischem Personal in den Klassen und fühlen sich über die pädagogischen Konzepte hinreichend informiert. 60 % sind der Ansicht, dass der gemeinsame Unterricht den verschiedenen Lernvoraussetzungen der Schü­ler Rechnung trägt.

Sehr hoch ist die Akzeptanz für Flüchtlingskinder an den Schulen: 95 % der Eltern befürworten es, dass Flüchtlingskinder so schnell wie möglich die Schule besuchen. 81 % begrüßen es, dass die Landesregierungen dafür zusätzliche Lehrer eingestellt haben. Gleichzeitig merkt eine Minderheit der Eltern (39 %) kritisch an, dass der Staat „viel zu wenig“ unternehme, um Flüchtlingskindern eine gute Schulbildung zu ermöglichen. Die knappe Mehrheit von 42 % sieht das nicht so. Dass Flüchtlings­kinder zunächst in gesonderten Klassen unterrichtet werden sollten, um Deutsch zu lernen, meinen 73 % der Eltern. An den meisten deutschen Schulen werden inzwi­schen Flüchtlinge unterrichtet: 63 % der Eltern sagen, dass das an der Schule ihres Kindes so ist. Grundschulen weisen hier mit 70 % den höchsten Wert auf, Gymnasien mit 51 % den niedrigsten.

Alles halb so schlimm? Die Stressbelastung durch G8

Die befragten G8- und G9-Eltern unterscheiden sich in der Wahrnehmung der Stress­belastung ihrer Kinder kaum. Der Anteil derer, die ihre Kinder aufgrund schulischer Anforderungen für überfordert halten, ist in beiden Elterngruppen vergleichsweise niedrig (G9: 8 %; G8: 11 %). Mit jeweils 80 % sieht die große Mehrheit der Eltern ihre Kinder als „gerade richtig gefordert“ an. Auch beim Thema Nachhilfe gibt es keine Unterschiede: In beiden Gruppen erhalten 14 % der Kinder regelmäßig Nachhilfe­unterricht.

Zeugnis

Landeshauptstadt Stuttgart